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Sonder-NL STI November 2023

Editorial

Liebe Mitglieder der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen STI Gesellschaft, liebe Kolleginnen und Kollegen,

sexuell übertragbare Krankheiten (STI) werden häufig sehr spät diagnostiziert, denn es fällt vielen Betroffenen schwer, mit solch „intimen Angelegenheiten“ ärztlichen Rat zu suchen. Bei STI sind Ärztinnen und Ärzte besonders gefordert, im Umgang mit den Patientinnen und Patienten vertrauensvoll, empathisch und diskret zu sein. Scham auf der einen Seite und wenig Wissen auf der anderen Seite: Die Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat im Jahr 2019 in einer Umfrage bei 18 bis 75-Jährigen danach gefragt, welche sexuell übertragbaren Krankheiten die Befragten kennen. Das Ergebnis zeigt, dass beispielsweise nur 12% Chlamydien kennen, 39% wissen, was Gonorrhö/Tripper ist, und 32% mit dem Begriff Syphilis etwas verbinden. Nur bei HIV/AIDS ist das Wissen mit 71% sehr viel ausgeprägter. Das hat sicher mit den sehr bekannten und erfolgreichen BZgA-Kampagnen der zurückliegenden Jahrzehnte zur HIV-Prävention zu tun.

Und wie sieht es auf der ärztlichen Seite aus? Welche Rolle spielen STI in unserer täglichen Arbeit? Was wissen wir über die epidemiologische Entwicklung, über neue Behandlungsmethoden und die Prävention?

Geschlechtskrankheiten haben eine große Auswirkung auf die sexuelle und reproduktive Gesundheit. Es lohnt, das Thema STI enger in den Blick zu nehmen, denn die Erkrankungszahlensteigen nicht nur weltweit, sondern auch bei uns an. Im Jahr 2020 schätzte die Weltgesundheitsorganisation die Situation so ein: 374 Millionen Neuinfektionen mit einer der vier STIs: Chlamydien (129 Millionen), Gonorrhoe (82 Millionen), Syphilis (7,1 Millionen) und Trichomoniasis (156 Millionen). Genitalherpes, HPV-Infektion, die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs bei Frauen und Analkrebs bei Männern, chronische Hepatitis B – auch hier steigen die Zahlen an.

Gute Gründe, um das Thema STI in einem Sonder-NL für Sie aufzubereiten. Möglich wird dies durch die Zusammenarbeit der DDG mit der Deutschen STI Gesellschaft (DSTIG). Lesen Sie im Interview mit Prof. Norbert Brockmeyer, DSTIG-Präsident, welche aktuellen Entwicklungen zu verzeichnen sind und welche Herausforderungen sich daraus ergeben.

Prof. Helmut Schöfer (Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden) nimmt für uns das Thema Diagnose und Behandlung der Syphilis in den Blick und Priv.-Doz. Dr. Ricardo N. Werner (Charité -Universitätsmedizin Berlin) bringt uns auf den neusten Stand beim Thema PrEP: HIV-Prävention mit Medikamenten und STI-PEP: Postexpositionsprophylaxe. Alles Wissenswerte zu den impfpräventablen STI hat Dr. Anja Potthoff (Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr- Universität Bochum) für uns zusammengefasst.

Fort- und Weiterbildungsangebote in diesem Themenbereich und Hinweise auf nützliches Infomaterial zur Weitergabe an Patientinnen und Patienten runden den NL ab.

Viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Newsletters.

Ihre

Prof. Julia Welzel                                            Prof. Norbert Brockmeyer
Präsidentin der DDG                                      Präsident der DSTIG

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