Sexuelle Gesundheit, infektiöse und tropische Erkrankungen in Zeiten des Umbruchs Drei Fachgesellschaften – ein Kongress
Der gemeinsame Kongress vom 11.–13. Juni 2026 in Berlin vereint Veranstaltungen von drei Fachgesellschaften: den 68. Kongress der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG), die 25. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für dermatologische Infektiologie und Tropendermatologie (ADI-TD) und die 13. Jahrestagung der International Society of Dermatology in the Tropics (ISDT).
Über die Gründe für die gemeinsame Veranstaltung von DSTIG, ADI-TD und ISDT, über Themenschwerpunkte und Highlights berichten im Interview Dr. Klaus Jansen (Kongresspräsident, RKI und DSTIG), Dr. med. Andrea Vanegas Ramirez (ISDT) und Prof. Dr. med.Mario Fabri (ADI-TD).
Herr Dr. Jansen, warum ist es naheliegend, dass die drei Organisationen einen gemeinsamen Kongress ausrichten?
Dr. Klaus Jansen: Sexuell übertragbare Infektionen (STI) und infektiöse und tropische Erkrankungen haben aus epidemiologischer und gesundheitssystemischer Sicht wichtige Gemeinsamkeiten. Sie werden durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze verursacht. Sie sind weltweit verbreitet, haben zum Teil ähnliche Übertragungswege und können auch z. B. von einer vorwiegend zoonotischen zu einer auch sexuell übertragbaren Infektion werden, wie das Beispiel Mpox gut zeigt. Zielgruppenspezifische und akzeptierende Präventionsangebote sowie niedrigschwellige Test- und Behandlungsangebote haben in diesem Kontext eine hohe Bedeutung, wie auch die Vermeidung von Stigma.
Herr Prof. Fabri, welche weiteren thematischen Verbindungen gibt es?
Prof. Mario Fabri: Sowohl STI als auch tropische Erkrankungen sind in Ländern mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur häufiger. Es gibt dort begrenzte Diagnostik, weniger Präventionsprogramme und einen geringeren Zugang zu Medikamenten. Prävention spielt daher eine zentrale Rolle. Beide Krankheitsgruppen lassen sich durch gezielte Präventionsmaßnahmen deutlich reduzieren. Bei STI ist Aufklärung essenziell. Safer-Sex-Regeln und regelmäßige Tests helfen. Bei Tropenkrankheiten sind die Expositionsprophylaxe/ Insektenschutz, Impfungen und Wasserhygiene zu nennen.
Frau Dr. Vanegas Ramirez, warum sind Gesundheitsprobleme aus oder in „fernen Ländern“ für uns und für die deutsche Dermatologie bedeutsam?
Dr. Andrea Vanegas Ramirez: Zum einen sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen von STI und Tropenkrankheiten in diesen Ländern zwar ungleich stärker als bei uns. Aber Fehlzeiten durch Krankheit, Belastung der Gesundheitssysteme und Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Betroffenen gibt es auch hierzulande. Zum anderen leben wir in einer globalisierten Welt. Durch internationale Mobilität sind STI und Tropenkrankheiten weltweit verbreitet. Durch Reisen, aber auch durch den Klimawandeln lassen sich neue Verbreitungsgebiete beobachten (z. B. lokale Dengue-Ausbrüche in Europa).
Herr Dr. Jansen, welche Formate und Themen erwarten die Besucherinnen und Besucher des Kongresses?
Dr. Klaus Jansen: Der Kongress wird neben dem wissenschaftlichen Programm aus Vorträgen, interaktiven Workshops und Posterpräsentationen von einer Industrieausstellung und Firmensymposien begleitet. Der Kongress zeichnet sich traditionell durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität und eine große Lust am gemeinsamen Austausch und Lernen aus. Es wird mit einem breiten Fokus um Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung der Prävention, der Diagnostik und Therapie von STI, um „vernachlässigte“ Infektionen und auch um HIV- Prävention und -Therapie gehen. Auch klinische Herausforderung in der Diagnostik von Hauterkrankungen und STIs und nicht infektiöse Dermatosen werden ein Thema sein.
Die medizinische Versorgungssituation in tropischen Ländern sowie die Migrations- und Reisemedizin inklusive Impfungen werden thematisiert. Auch soziologisch-gesellschaftliche Fragestellungen werden uns beschäftigen wie „Rausch und Sexualität, „Sexualität im Alter“ oder „Sexualität und Stigma“ durch sichtbare Hauterkrankungen oder sexuelle Dysfunktion. Unser Kongress-Slogan „Sexuelle Gesundheit, infektiöse und tropische Erkrankungen in Zeiten des Umbruchs“ zeigt die enge thematische Verflechtung auf und berücksichtigt zugleich die globalen Dynamiken und ihre (möglichen) Auswirkungen auf Gesundheit und Medizin.
Termin und Ort:
11.–13. Juni 2026, Campus Virchow-Klinikum, Charité, Berlin
Programm-Flyer zum Download
Weiterer Informationen
Zur Anmeldung
Wissenschaftliche Leitung:
Dr. Klaus Jansen (Kongresspräsident, RKI, Sektion Sexuelle Gesundheit DSTIG)
Dr. Anja Potthoff (Kongresspräsidentin, WIR Bochum, Schatzmeisterin DSTIG)
Prof. Norbert H. Brockmeyer (Präsident der DSTIG)
Prof. Esther von Stebut (Vorsitzende ISDT), Dr. Andrea Vanegas Ramirez (Schriftführerin ISDT)
Prof. Mario Fabri (Vorsitzender ADI-TD), Prof. Cord Sunderkötter (1. Stellv. Vorsitzender ADI-TD)

