Krankenhausreform, Versorgung, Vielfalt des Faches, Forschungs- und Nachwuchsförderung Chefärzte- und Ordinarientreffen 2025: Austausch zu aktuellen klinikrelevanten Themen

Am 14. November 2025 fand das Chefärzte- und Ordinarientreffen (C&O-Meeting) in Berlin in hybrider Form statt. Insgesamt nahmen etwa 60 Leiterinnen und Leiter dermatologischer Kliniken teil, 25 von ihnen waren vor Ort in Berlin dabei. Im Zentrum standen die Krankenhausreform und die Begutachtung der Leistungsgruppen sowie zentrale Arbeitsfelder der gemeinsamen Strategie „Dermatologie 2030“ der DDG und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD).
Einmal im Jahr haben Leiterinnen und Leiter dermatologischer Kliniken die Möglichkeit, sich beim C&O-Meeting über aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen, Forschungsthemen und Neuerungen aus den dermatologischen Verbänden auszutauschen. DDG-Präsident Prof. Mark Berneburg eröffnete das Treffen mit einer Übersicht zu den Aktivitäten der DDG. Im Anschluss berichtete Dr. Ralph von Kiedrowski, Präsident des BVDD, über aktuelle Belange und Kampagnen des Berufsverbandes.
Einer der Höhepunkt der Veranstaltung war die Keynote von Dr. Thomas Dittberner aus Strahlsund. Der stellvertretende Leiter des Referats „Stationäre Versorgung Medizinischer Dienst Mecklenburg-Vorpommern, BBZ Vorpommern“, stellte prägnant und sachlich den aktuellen Stand der Krankenhausreform (KHVVG) und des Krankenhausanpassungsgesetzes (KHAG) vor. Auch wenn der Referent seinen Ausführungen das berühmte Zitat des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Peter Struck voranstellte, wonach „kein Gesetz das Parlament so verlässt, wie es hineinkommt“, war diese „gesundheitspolitische Momentaufnahme“ erhellend. In passgenauem Zuschnitt stellte Dr. Dittberner zunächst die rechtlichen Grundlagen vor, referierte dann zum Stand der Begutachtung der Leistungsgruppen, um schließlich dezidiert auf die Leistungsgruppe 36 „Haut- und Geschlechtskrankheiten“ einzugehen.
Im Anschluss wurde das Thema in einer kurzen Podiumsrunde vertieft. Die Podiumsgäste, Prof. Mark Berneburg (Präsident der DDG), Dr. Ralph von Kiedrowski (Präsident des BVDD), Prof. Amir Yazdi (Generalsekretär der DDG), Prof. Julia Welzel (Past-Präsidentin der DDG), Prof. Carmen Loquai (Mitglied im Vorstand der DDG) und Keynote-SpeakerDr. Thomas Dittberner diskutierten über den Stand der Umsetzung der Reform am Beispiel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Themen waren mögliche Auswirkungen auf die Arbeit der niedergelassenen Dermatologinnen und Dermatologen, Ambulantisierungspotenzial in der Dermatologie und mögliche Auswirkungen auf die Situation der Weiterbildungs-Assistentinnen und -assistenten. Die remote Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, via Chat ihre Fragen oder Anregungen einzubringen.
Im Anschluss ging es mit Impulsvorträgen weiter, die vier zentrale Themen der gemeinsamen Strategie von DDG und BVDD („Dermatologie 2030“) behandelten.
Dr. Ralph von Kiedrowski (Selters) analysierte in seinem Vortrag „Versorgung sichern“ den Status Quo der aktuellen Versorgung und zeigte Versorgungshindernisse auf. Dazu gehören neue und geplante Strukturen wie dermatologische Angebote der Kassen und von „Discountern“ Dermatologie im iMVZ sowie das derzeit diskutierte Primärarztsystem. Zu den Lösungsansätzen der gemeinsamen Strategie zählen: den Facharztstandard definieren und leben, Verträge zur besonderen Versorgung nach §140a SGB V, Forderung an die Politik wie die Entbudgetierung fachärztlicher Leistungen, moderne Versorgungsformen durch die Stärkung der dermatologischen Fachassistenz und der Ausbau der intersektoralen Digitalisierung.
Prof. Julia Welzel (Augsburg) stellte einen weiteren Bereich der Strategie vor, der darauf abzielt, die Vielfalt des Faches Dermatologie zu erhalten. Die Analyse der Ausgangslage zeigt den folgenden Problemkomplex auf: andere Fachdisziplinen besetzen zunehmend Kernkompetenzen der Dermatologie und besonders in den Spezialgebieten Allergologie, Dermatopathologie und STI gilt es die Vielfalt des Faches zu erhalten. Zudem nimmt die Breite der Versorgung in der Fläche ab. Innovationskraft und translationale Kompetenzen sind in Gefahr und die Unabhängigkeit der Hautkliniken in Versorgungsentscheidungen ist ebenfalls gefährdet.
Zu den geplanten, bzw. bereits ergriffenen Maßnahmen gehören: ein Positionspapier, eine Evaluierung von Investor-geführten MVZ sowie eine Positionierung dazu und die Planung von Interventionsmöglichkeiten. Die Arbeitsgemeinschaften sollen zudem stärker an die DDG angebunden werden. Mit der Benennung einer gesundheitspolitischen Beauftragten im Vorstand (benannt wurde Prof. Julia Welzel) sollen diese Ziele in Richtung Gesundheitspolitik adressiert werden. Zudem soll diese Vielfalt des Faches noch stärker in der Lehre und Weiterbildung verankert werden.
Prof. Tilo Biedermann (München) referierte zum strategischen Ziel „Forschung stärken“. Zunächst berichtete er aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Entwicklung von Anträgen aus der Dermatologie. Die Zahl solcher DFG-Anträge stagniert seit einigen Jahren. Das ist problematisch, da auch die Anzahl der Vertreterinnen/Vertreter unseres Faches in diesen DFG-Gremien (derzeit sind es drei, bei der kommenden Wahlperiode 2027 voraussichtlich nur noch zwei) von der Anzahl der Anträge abhängt.
Biedermann stellte dann den Status quo der Forschung in der Dermatologie am Beispiel der Clinician Scientists Programme (CSP) vor. Nach Zahlen des Medizinischen Fakultätentages (MFT) aus dem Jahr 2023 sind CSP an den medizinischen Fakultäten in Deutschland flächendeckend etabliert und nicht mehr aus der Universitätsmedizin wegzudenken. Laut MFT gibt es an 38 Standorten insgesamt 131 Programme.
Die DFG-Anschubförderung befindet sich in der Auslaufphase und wird voraussichtlich Ende 2028 beendet sein.
In dieser Übergangsphase möchte die AG „Clinician Scientists“ in der Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung (SGKF), dem zuständigen DFG-Gremium, Perspektiven und Handlungsempfehlungen für die nachhaltige Weiterführung der CSP entwickeln und diese den medizinischen Fakultäten zur Verfügung stellen.
„Forschung stärken“ ist zudem auch durch Forschungsvernetzung möglich. Biedermann stellte das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) vor. Das NUM will in Deutschland eine effektive Systematik der Zusammenarbeit im Bereich klinischer und klinisch-epidemiologischer Studien entwickeln. Dabei arbeitet es eng mit bestehenden Infrastrukturen, Verbünden und Forschenden zusammen und möchte diesen Prozess durch organisatorische und strukturelle Maßnahmen unterstützen. Gegründet im Pandemiejahr 2020 hat das NUM drei strategische Ziele: Die Universitätskliniken bundesweit verbinden, die Krisenfestigkeit verbessern und einen einheitlich europäischen Studien- und Datenraum für klinische Forschung schaffen.
Wie in allen anderen medizinischen Fächern ist die Nachwuchsförderung unverzichtbar. Dieses strategische Ziel stellte Prof. Carmen Loquai (Münster) vor und zeigte, wie der Nachwuchs für die Dermatologie begeistert werden kann. Weiterzubildende erwarten eine gute Betreuung, Coaching und Feedback. Sie wünschen sich ausreichend Zeit, Verlässlichkeit bei den Dienstplänen und eine bessere Vereinbarkeit von klinischer Arbeit, Forschung, Lehre und Privatleben.
Zu den Tipps für das Begeistern der Assistenzärztinnen und Assistenzärzte gehören aus ihrer Erfahrung Fortbildungen mit umliegenden Kliniken, gemeinsame externe Fortbildungen, das Deutlichmachen der Vielfalt des Faches mit seltenen Krankheitsbildern und „Erfolgsgeschichten“, die Ermunterung, früh selbst Promotionen zu begleiten und eine unbedingte Gleichbehandlung bezüglich des Geschlechts, der Herkunft und des Hintergrunds.
In Bezug auf die Förderung und Begeisterung der Oberärztinnen und Oberärzte ist wichtig, eine Entwicklung ohne Bevormundung und flexible Dienstmodelle zu ermöglichen. Neben einem guten Gehalt können Homeoffice- und/oder Schreibtischtage die Zufriedenheit erhöhen. An Lob für besonderes Engagement bei Engpässen soll nicht gespart werden.
Den Abschluss bildete ein Statusbericht aus der Arbeitsgemeinschaft Dermatologischer Chefärzte (ADC) durch AG-Sprecherin Prof. Carmen Loquai.