Personalisierte Medizin, Patientenpfade und Auswirkungen der US-Politik auf die Industrie Förderkreis DDG: Frühjahrssymposium

Am 23. April 2026 fand das 3. Frühjahrssymposium des Förderkreises DDG in Berlin statt. Von den insgesamt 50 Teilnehmenden waren 22 Vertreterinnen und Vertreter von insgesamt 15 Firmen sowie zahlreiche Mitglieder des DDG-Vorstands dabei. Wichtige Zukunftsthemen der Dermatologie standen auf dem Programm: Forschungsförderung, personalisierte Medizin, Patientenpfade, Auswirkungen der internationalen Politik auf den Pharmastandort Deutschland sowie die WHO-Resolution „Hautkrankheiten als globale Gesundheitspriorität“ aus dem Jahr 2025.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Prof. Dr. med. Mark Berneburg, Präsident der DDG, und Prof. Dr. med. Amir Yazdi, Generalsekretär der DDG, sowie dem Sprecher-Tandem des Förderkreises Elena Savtcheva (Almirall und Dr. Tomas Niegisch (Novartis).
Der Förderkreis unterstützt die Forschungs- und Nachwuchsförderung innerhalb der DDG. Zudem ermöglichen es einzelne Firmen durch ihr Engagement beim Clinician Scientist Program (CSP), dass Stipendiatinnen und Stipendiaten ihre Arbeit an der Klinik mit eigenen Forschungsprojekten verbinden können. Dr. med. Kira Süßmuth (Helios Klinikum Berlin-Buch) referierte über ihre CSP-Zeit und betonte, dass sie nicht nur tiefe Einblicke in die Grundlagenforschung (ihr Forschungsbereich sind Ichthyosen) erhalten hat, sondern dass das CSP auch zu vielen Publikationen geführt habe. Für PD Dr. med. Sebastian Wohlfeil (UK Mannheim) ermöglichte das Stipendium einen großen Freiraum für seine experimentelle Forschung (er forscht zu neuen Therapieansätzen für das metastasierte maligne Melanom) und es brachte ebenfalls viel Material für Veröffentlichungen.
Prof. Dr. med. Nisar Malek (Universitätsklinikum Tübingen) stellte das Konzept der Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) vor und erläuterte am Beispiel des auf onkologische Erkrankungen fokussierten Deutschen Netzwerks für Personalisierte Medizin (DNPM), wie es gelingt, die Fülle diagnostischer Möglichkeiten und Therapieansätze so zu verbinden, dass eine individuelle Therapie entwickelt werden kann und damit die Behandlung verbessert wird. ZPMs sind auch eine wegweisende Struktur für die Entzündungsmedizin. Hier dienen die bestehenden onkologischen ZPM als Blaupause für die in Planung befindlichen Entzündungszentren von Dermatologie, Rheumatologie und Gastroenterologie.
Welche Auswirkungen die US-amerikanische Politik (die „Trumponomics“) auf die in Europa ansässigen Pharmafirmen hat, stellte Dr. Claus Michelsen vom Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa) vor. Die USA nutzen ihre Marktgröße (über 50% Pharmamarktanteil weltweit) um Investitionen in die USA zu lenken. Das geschieht mit Zöllen, Marktzugang/Pricing sowie Vereinfachungen in der Regulatorik, die dann auch noch mit Steueranreizen verbunden werden. Deutschland und Europa haben dem kaum etwas entgegenzusetzen. Reagiert werden könnte damit, das Marktvolumen in Europa zu erhöhen, Zulassungen für die Markteinführung von Arzneimitteln zu beschleunigen und Handelspartnerschaften mit anderen Ländern auszubauen.
Um die Nachsorge für Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt ging es im Vortrag von Dr. med. Valentin Gabelmann (Universitätsklinikum Freiburg). Er stellte überzeugend vor, wie „Innovative Patientenpfade & sektorenübergreifende Versorgung“ die Behandlung verbessern. Die Patientenpfade sind in diesem Fall ein digital strukturiertes Kommunikationstool, durch das die Nachsorge mittels Push-Nachrichten (Inhalte zur Patientenbildung, Erinnerung an Medikamenteneinnahme und Untersuchungstermine etc.) strukturiert und verbessert wird. Auch in der Dermatologie sind Patientenpfade ein aktuelles Thema und werden von der DDG derzeit diskutiert und vorangetrieben.
Die nationalen Auswirkungen der WHO-Resolution waren Gegenstand des letzten Vortrags von Prof. Dr. med. Matthias Augustin (UKE Hamburg) und Prof. Dr. med. Swen Malte John (Universitätsklinikum Osnabrück). Am 27.05.2025 hatte die World Health Assembly eine Resolution erlassen, in der Hautkrankheiten als globale Gesundheitspriorität klassifiziert und die Mitgliedsstaaten aufgefordert werden, in ihren Ländern „Health Care Programme“ für Hauterkrankungen zu entwickeln. Analog zu den Aktivitäten anlässlich der WHO-Psoriasis-Resolution im Jahr 2014 muss die deutsche Dermatologie jetzt tätig werden und mit der Politikansprache starten. Geplant sind Anschreiben an die Ministerin und das Angebot zur Kooperation auf allen Ebenen („parlamentarische Arbeit“).
Zur konkreten Ideenfindung wurden dann Gruppen gebildet, in denen Vorschläge für die nationale Umsetzung der WHO-Resolution erarbeitet wurden.
Die Kombination aus fachlichem Input, moderierten Austauschrunden und persönlichem Networking hat erneut gezeigt, wie wichtig der interdisziplinäre Dialog für die Weiterentwicklung der Dermatologie ist. Das Feedback der Teilnehmenden war durchweg positiv. Neben den interessanten, abwechslungsreichen Vorträgen war vor allem der persönliche Austausch für die Beteiligten bereichernd. Im Herbst wird das nächste Treffen des Förderkreises DDG in virtueller Form stattfinden.
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