Interdisziplinäre Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren Dermatologie, Rheumatologie und Gastroenterologie bündeln Kompetenz

Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, die meist gleichzeitig mehrere Organsysteme betreffen, kann die Versorgung verbessert werden, wenn die Behandlung interdisziplinär und in Zentren stattfindet. Um diese Entzündungszentren qualitätskontrolliert und flächendeckend in Deutschland zu etablieren, haben drei in der Entzündungsmedizin führende Fachgesellschaften die Initiative ergriffen und eine „Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren“ ins Leben gerufen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die DDG wollen den Rahmen für eine nationale Struktur zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen schaffen.
Anfang März 2026 fand die konstituierende Sitzung statt. Zunächst definiert die Kommission für die drei beteiligten Disziplinen Dermatologie, Gastroenterologie und Rheumatologie gemeinsame Qualitätskriterien. „Ziel ist es, ein abgestuftes System zertifizierter Zentren zu etablieren, das die unterschiedlichen Versorgungsbedürfnisse der Entzündungsmedizin abbildet“, sagt Prof. Dr. med. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Hautklinik der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Sprecher der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren für die DDG. „Damit schaffen wir eine strukturierte Grundlage für interdisziplinäre Diagnostik, Therapieentscheidungen und langfristige Betreuung.“ Vorbild ist dabei die Onkologie: Dort haben strukturierte interdisziplinäre Tumorboards und zertifizierte Zentren maßgeblich zur Qualitätsverbesserung in der Versorgung beigetragen. Diese onkologischen Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) sind mittlerweile deutschlandweit etabliert und werden von den Krankenkassen auch mitfinanziert.
Es gibt bereits erste interdisziplinäre Zentren für Entzündungsmedizin, die sich in der klinischen Versorgung bewährt haben. „Gute bereits vorhandene Ansätze sollen in eine bundesweit einheitliche Struktur zertifizierter Zentren überführt werden“, so Enk.
Ein weiteres Ziel der Initiative ist ein gemeinsames nationales Register für die Entzündungsmedizin. Mit diesen Daten sollen langfristige Krankheitsverläufe besser verstanden und individuelle Therapieentscheidung erleichtert werden. Die drei Fachgesellschaften sehen in der Initiative einen wichtigen Schritt, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen dauerhaft zu verbessern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Entzündungsmedizin langfristig zu stärken.
Sprecher der Kommission:
Prof. Dr. med. Hanns-Martin Lorenz (DGRh)
Prof. Dr. med. Nisar P. Malek (DGVS)
Prof. Dr. med. Alexander Enk (DDG)