Internationaler Frauentag: Die Dermatologie ist „weiblich“

Wie kann der weibliche Anteil an Führungskräften erhöht werden?

Zum Medizinstudium wurden Frauen in Deutschland erst im Jahr 1899 zugelassen. Seitdem hat sich vieles verändert. Das Geschlechterverhältnis in der Ärzteschaft hat sich in den letzten Jahren vollständig angeglichen. Der weibliche Anteil liegt bei knapp über 50 %. Über 65 % der Medizinstudierenden sind heutzutage Frauen. In einigen Fachgebieten wie der Chirurgie und der Radiologie sind Frauen noch immer unterrepräsentiert. In anderen ist der Frauenanteil hoch. Zu letzteren gehören die Gynäkologie, die Kinder- und Jugendmedizin und die Dermatologie.

Die Gesamtzahl der Berufstätigen in der Dermatologie beträgt laut Bundesärztekammer (Ärztebericht von Ende 2024) insgesamt 6.640. Mit fast 4.100 Dermatologinnen ist die dermatologische Ärzteschaft also zu über 60 % weiblich.

Die Zahl der Ärztinnen in Deutschland steigt – aber sie gelangen seltener in Spitzenpositionen als Männer. Nach Angaben des Deutschen Ärztinnenbundes arbeiteten 2024 an allen Krankenhäusern insgesamt 41 % Oberärztinnen. In der Dermatologie betrug der Anteil der Oberärztinnen sogar schon über 50 %. Betrachtet man dann die Zahl der Frauen in Führungspositionen an Unikliniken (Inhaberin eines Lehrstuhls, Klinikdirektorin oder Leiterin eines Instituts) beträgt der Anteil in der Dermatologie 23 %. Das ist im Vergleich zum Frauenanteil in Führungspositionen in anderen Fächern beeindruckend gut. Der Deutsche Ärztinnenbund gibt nämlich als prozentualen Durchschnittswert (erhoben wurden Daten der 14 wichtigen klinischen Fächer der deutschen Universitätsmedizin) 14 bis 15 % an.

Zahlreiche DDG-Expertinnen und -Experten setzen sich für gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer ein. Aber die Fortschritte hinsichtlich der Gleichberechtigung entwickeln sich langsam. Die Gründe für die Unterrepräsentanz von Dermatologinnen in Führungspositionen sind vielfältig, sie haben strukturelle und private Gründe. 

Wir haben Dermatologinnen aus dem Vorstand der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) gefragt, welche strukturellen Veränderungen nötig sind, um mehr Dermatologinnen in Führungspositionen zu bringen? Welche Tipps sie jungen Ärztinnen geben, die eine Führungsposition anstreben und warum die Dermatologie für angehende Medizinerinnen besonders attraktiv ist? 

Für die DDG-Past-Präsidentin Prof. Julia Welzel, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Augsburg, gibt es strukturelle Hürden, die abgebaut werden müssen, damit mehr Frauen Spitzenpositionen einnehmen können. „Ich wünsche mir eine flexible Arbeitszeitgestaltung, eine deutlich bessere Kinderbetreuung und eine Ausweitung der erlaubten Tätigkeiten in der Schwangerschaft. Dann können auch Ärztinnen ihre Karriere trotz und mit Familie so gestalten, wie sie es wollen.“

Prof. Evelyn Gaffal, Direktorin der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Campus Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) rät den Nachwuchskräften: „Wenn Sie in Klinik und Wissenschaft erfolgreich sein möchten, sind Neugier, Begeisterung für ein Thema und Ausdauer sehr wichtig. Suchen Sie sich verlässliche Mentorinnen und Mentoren und vernetzen Sie sich mit Gleichgesinnten. Nehmen Sie Unterstützung an – sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich.“

Selbstvertrauen und Networking sieht auch Prof. Carmen Loquai, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Leiterin des Hauttumorzentrums Hornheide, im Zentrum – beides ist sowohl für Männer als auch für Frauen in der Medizin wichtig. „Seien Sie proaktiv, scheuen Sie keine Verantwortung, engagieren Sie sich in beruflichen Netzwerken und umgeben Sie sich mit Menschen, die Sie unterstützen und inspirieren. Lassen Sie sich einerseits nicht beirren, bleiben Sie andererseits offen für Ratschläge. Und wenn Sie zu einem Entschluss gekommen sind, zweifeln Sie nicht, sondern verfolgen Sie diesen, Ihren Weg.“

Nicht selten entscheiden sich selbst sehr talentierte Frauen gegen eine solche berufliche Karriere. Einer der Gründe könnte in dem Stereotyp liegen, dass sich Führungsposition und Familie grundsätzlich nicht verbinden lassen, obwohl speziell akademische Tätigkeiten viel Flexibilität in der Gestaltung des Alltags erlauben. „Aktuell sind die Voraussetzung besser als je zuvor, um mögliche strukturelle Nachteile für Menschen mit Familienverpflichtungen auszugleichen. Informieren Sie sich und sprechen Sie mit den Verantwortlichen – oft lassen sich auch noch neue, bessere Fördermöglichkeiten angepasst an Ihre besondere Situation finden. Sie werden auf offene Ohren treffen!“, rät Prof. Esther von Stebut, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Universitätsklinikum Köln.

Die hohe Anzahl an Dermatologinnen zeigt, dass die Dermatologie speziell für Frauen attraktiv ist. Dr. Cora Overbeck, niedergelassene Dermatologin aus Hannover Münden und ebenfalls Mitglied im DDG-Vorstand sagt dazu: „Dermatologie ist wie Detektivarbeit an der Oberfläche des Menschen. Man liest Spuren, Muster und feine Hinweise, die ganze Geschichten erzählen. Vielleicht wählen besonders viele Frauen dieses Fach, weil es Präzision mit Empathie verbindet und Medizin sichtbar macht.“

Viele Ärztinnen und Ärzte wünschen sich eine „Parität auf allen Ebenen“, wie es auch der Deutsche Ärztinnenbund formuliert. Welche Forderungen umgesetzt werden müssen, um hier eine wirkliche Gleichberechtigung zu schaffen, fasst Prof. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal und Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der DDG so zusammen: „Führungspositionen können auch als Doppelspitzen gestaltet werden. Die Option auf ein ‚Topsharing‘ in Stellenausschreibungen erhöht die Attraktivität für Bewerberinnen. Die Berufungskommissionen sollten paritätisch besetzt werden, Gleichstellungsbeauftragte sollten stärker als bisher in den Entscheidungsprozess einbezogen werden und schließlich müssen die Strukturen frauenfreundlich (mit Kinderbetreuung und flexiblen Arbeitszeiten) gestaltet werden. In der Dermatologie haben wir bereits eine gute Ausgangslage, um das zu schaffen.“

Die DDG bietet für Nachwuchskräfte seit einigen Jahren eine Führungsakademie an. Hier werden angehende weibliche und männliche Führungskräfte optimal auf die vielfältigen Herausforderungen einer Klinikkarriere vorbereitet und erwerben das Zertifikat „Führen in der Dermatologie“ der Deutschen Dermatologischen Akademie. 

Zum Internationalen Frauentag:
Seit mehr als 100 Jahren wird der Internationale Frauentag begangen. Seit Beginn der 1920er Jahre am 8. März. Weltweit demonstrieren Frauen an diesem Tag für Gleichberechtigung von Frauen.

Quellen:
Deutscher Ärztinnenbund
Deutsche Ärzteblatt
Kassenärztliche Bundesvereinigung