Der jedes Jahr am 25. Juni stattfindende Welt-Vitiligo-Tag macht auf eine Erkrankung aufmerksam, die lange Zeit überwiegend als „kosmetisches Problem“ wahrgenommen wurde: Die Weißfleckenkrankeit, medizinisch Vitiligo genannt, ist eine autoimmun verursachte Hauterkrankung, die durch eine Depigmentierung der Haut gekennzeichnet ist. Die Pigmentstörung führt zu weißen Flecken auf der Haut. Die Flecken können in Größe, Form und Ausbreitung sehr unterschiedlich sein. Sie ist weder schmerzhaft noch ansteckend. Vitiligo ist eine häufige und chronische Hautkrankheit. Weltweit sind 0,5 - 2 % Prozent aller Menschen betroffen. Sie belastet die Psyche der Betroffenen meist stark. Der Aktionstag wirbt um Verständnis für Betroffene und klärt über Behandlungsmöglichkeiten auf.
Neue Schweregradklassifizierungen
Lange wurde zur Ermittlung des Schweregrades geschaut, wie viel Prozent der Körperoberfläche (body surface area, BSA) betroffen ist. Danach richtete sich die Einteilung leicht (<3 % BSA), mittelschwer (3 % – <10 % BSA) und schwer (≥10 % BSA). Internationale Fachleute haben in einer globalen Konsensusstudie nun Schweregradkriterien für Vitiligo festgelegt und in der Zeitschrift JAMA Dermatology veröffentlicht. Sie legten zwölf Kriterien fest, die eine Höherstufung der Schweregradklassifizierung von mittelschwer auf schwer begründen können trotz einer eher geringen Ausdehnung der Erkrankung. Das wiederum ist für die Therapieentscheidung und die Behandlungsmöglichkeiten wichtig.
Neben klinischen Aspekten der Vitiligo werden nun auch ihre psychosozialen Auswirkungen stärker in den Blick genommen. Als Hauptkriterien werden u.a. die Ausbreitung der Erkrankung, die Sichtbarkeit, die psychische Belastung, Stigmatisierung und die allgemeine Krankheitslast einbezogen. Auch sogenannte Nebenkriterien für Vitiligo wie dunklere Hauttöne, jüngeres Alter, Beeinträchtigungen in Beruf oder Schule sowie der persönlich empfundene Verlust der kulturellen Identität werden berücksichtigt.
Dieser von internationalen Expert:innen getroffene Konsens zielt darauf ab, die Lücke zwischen ärztlicher Beurteilung und Patientenerleben zu überbrücken und zu einer exakteren Schweregradeinstufung zu gelangen.
Teilnahmemöglichkeit an Studie in Süddeutschland
„Vitiligo Vision – das Unsichtbare sichtbar machen“ ist eine Studie zum Einsatz der Ganzkörperfotografie-Technologie zur Früherkennung und zum Telemonitoring von Vitiligo in Süddeutschland. Mit der Studie „Vitiligo Vision“ sollen die Diagnose und die Behandlung der Weißfleckenkrankheit verbessert werden. Dazu werden moderne digitale Methoden genutzt, wie ein berührungsloser Ganzkörper-Scan und Telemedizin. So kann frühzeitig erkannt werden, ob Vitiligo vorliegt. Wenn ja, kann der Verlauf besser verfolgt und die Betreuung individuell abgestimmt werden.
Die Studie wird von den Studienärzt:innen und Doktorand:innen der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein in München in Zusammenarbeit mit dem Fotolabor der Klinik durchgeführt.
Teilnehmen können Menschen, die weiße Flecken auf der Haut bemerkt haben, mindestens 18 Jahre alt sind und Interesse daran haben, ihre Haut digital und modern untersuchen zu lassen.
Weitere Informationen
Veranstaltungen zum Welt-Vitiligo-Tag 2026:
- Hautnetz Hamburg
Webinar für Patient:innen und Interessierte zum Welt-Vitiligo-Tag
Donnerstag, 25. Juni 2026
Uhrzeit: 18:00 - 19:45 Uhr
Die Informationsveranstaltung widmet sich der Aufklärung über Therapiemöglichkeiten und Eigeninitiative, um die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Vitiligo nachhaltig zu verbessern. In Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen wird ein interaktives Programm geboten, das aktuelle Entwicklungen in der medizinischen Versorgung sowie praktische Tipps für den Alltag behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Lebensfreude und Lebensqualität trotz chronischer Erkrankungen erhalten werden können.
Im Anschluss haben Teilnehmende die Möglichkeit, persönliche Fragen direkt an die Expertinnen und Experten des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zu richten.
Teilnahme: kostenfrei
Anmeldung
Weitere Informationen
- Deutscher Vitiligo-Bund e. V.
Ganztägige Informationsveranstaltung für Betroffene, Partner:innen, Familienangehörige und medizinische Expert:innen
Samstag, 27. Juni 2026
Uhrzeit: 09:00 – ca. 17:00 Uhr, Einlass ab 08:30 Uhr
Ort: Östliche Stadtmauerstraße 11, 91054 Erlangen, Hörsaal der Medizin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg
Expert:innen aus Medizin und Wissenschaft sorgen auf dem 4. Deutschen Vitiligo-Tag mit Impulsvorträgen zu unterschiedlichsten Aspekten rund um Vitiligo für ein abwechslungsreiches Programm. Die abschließende Podiumsdiskussion eröffnet Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen. Parallel dazu wird es einen Ausstellungsbereich geben.
Teilnahme: kostenfrei
Weitere Informationen
Zum Aktionstag:
Der Welt-Vitiligo-Tag wurde erstmals 2011 ins Leben gerufen und findet jährlich am 25. Juni statt. 2026 heißt das Motto “From Stigma to Strength”. Ziel ist es, Wissen zu teilen, Schulungen und psychologische Unterstützung anzubieten und gemeinsam einen Weg hin zu einer besseren Versorgung zu ebnen.
Weitere Informationen
Literatur:
Augustin M, Gewiss C, Ben-Anaya N, Böhm M. Lebensqualität, Krankheitslast und Versorgungsbedarf von Patienten mit Vitiligo. Dermatologie (Heidelb). 2024 May;75(5):404-411. doi: 10.1007/s00105-024-05312-z.
Eleftheriadou V, Desai S, Bae JM, et al. Definition of Severity and Relapse for Vitiligo: An International Consensus Statement. JAMA Dermatol. 2026;162(5):515–524. doi:10.1001/jamadermatol.2026.0294
Neue Schweregradskriterien für Vitiligo. Deutsches Ärzteblatt, 24. April 2026
S1-Leitlinie. Diagnostik und Therapie der Vitiligo. AWMF-Register-Nr.: 013-093, 202. 2021.

