Isotretinoin ist stark fruchtschädigend (teratogen) und in Schwangerschaft und Stillzeit verboten. Generell sollten Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, kein Isotretinoin einnehmen. Seltene, aber schwerwiegende mögliche Nebenwirkungen sprechen insbesondere bei Leistungssportler:innen dafür, eine Isotretinoin-Therapie nur nach gründlicher Abwägung von therapeutischem Nutzen und Risiken durchzuführen.
Unter „Glow-up“-Mitteln versteht man Produkte oder Behandlungen, die eine Person schöner und attraktiver machen sollen. Besonders auf Social Media-Kanälen werden aus einzelnen Erfahrungen oder Ratschlägen oft viral verbreite Trends. Die Bandbreite der Mittel, die die „Haut zum Strahlen“ bringen soll, ist breit: Von Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln bis zu verschreibungspflichtigen Medikamenten.
Aktuell gibt es offenbar einen Beauty-Trend auf TikTok, der sich um das Akne-Medikament Isotretinoin rankt. (Handelsname in den USA: Accutane; in Deutschland: u.a. IsoGalen und Aknenormin) Das Vitamin-A-Säure-Präparat wird bei schwerer Akne zur oralen Anwendung (in Form von Weichkapseln) verschrieben. Nun erscheint es als Wundermittel, das zu einer Verschmälerung der Nase führe. Wie der Wissenschaftsjournalist Michael van den Heuvel für Medscape recherchierte, wurden Erfahrungsberichte zur Wirkung des Akne-Mittels millionenfach verbreitet. Hier dokumentieren vor allem junge Nutzerinnen und Nutzer unter Hashtags wie #AccutaneJourney oder #AccutaneGlowUp ihre Isotretinoin-Behandlung mit Vorher-Nachher-Videos.
Auch wenn der Wunsch nachvollziehbar ist, sein Äußeres zu optimieren, so ist es grundsätzlich problematisch, ein verschreibungspflichtiges Medikament für „Verschönerungen“ einzusetzen.
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) warnt vor diesem gefährlichen Trend. Die Verschreibung von Isotretinoin ist bei schwerer Akne (Akne conglobata) oder therapieresistenter Akne, aber auch (off-label) bei schwerer Rosazea oder schweren, therapierefraktären Folliculitiden (Entzündungen der Haarfollikel) sinnvoll. Angewendet wird Isotretinoin bei Akne meist über 9-12 Monate in einer Dosis von 0,5 mg/kg Körpergewicht, bei den off-label-Indikationen wird es in niedrigerer Dosis verabreicht und oft langfristig, ggf. auch über Jahre eingesetzt.
Für Frauen im gebärfähigen Alter, die keine sichere Verhütung praktizieren wollen, ist Isotretinoin nicht geeignet.
Jüngeren Frauen wird es frühestens 4 Wochen nach Beginn einer sicheren (oralen) Kontrazeption verordnet und es sind monatliche Schwangerschaftstests vor Wiederholungsrezept-Ausstellung üblich. Der Wirkstoff ist stark teratogen. Das Risiko für Fehlbildungen beim Embryo liegt bei ca. 30%. Daher ist Isotretinoin in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.
Weitere Effekte und Nebenwirkungen:
Trockene Lippen und trockene Haut mit erhöhter Anfälligkeit für Sonnenbrand
Isotretinoin bringt die Talgdrüsen zum Schrumpfen und fördert somit eine Trockenheit von Haut und Schleimhäuten. Deshalb muss mit entsprechender Haut- und Lippenpflege vorgebeugt werden. Es wirkt auch photosensibilisierend, also ist ein konsequenter UV-Schutz mit Sonnencreme (LSF 50) unverzichtbar.
Für Patientinnen und Patienten, die Isotretinoin einnehmen, müssen monatliche Laborkontrollen stattfinden, um einen Anstieg der Leber- oder Blutfettwerte zu erkennen.
Mildere Nebenwirkungen wie Rücken- oder Gelenkschmerzen kommen ebenfalls vor.
Vorsicht ist auch bei Leistungssportler:innen geboten
Wenn auch sehr selten, so kann es unter Isotretinoin zu einer bedrohlichen Rhabdomyolyse kommen. Das ist ein schwerer Zerfall von Skelettmuskulatur. Zellbestandteile wie das Muskelprotein Myoglobin werden ins Blut abgegeben, was zu Muskelschmerzen, Muskelschwäche und dunkel gefärbtem Urin führt und im schlimmsten Fall ein Nierenversagen auslösen kann.
Zurückhaltender Einsatz bei Menschen mit psychiatrischer Vorgeschichte
Depressive Patienten sollten eher nicht mit Isotretinoin behandelt werden. Eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2023, die 25 Studien mit 1.625.891 Teilnehmenden ausgewertet hatte, kam zwar zu dem Schluss, dass Isotretinoin auf Bevölkerungsebene insgesamt nicht mit einem erhöhten Risiko für psychiatrische Erkrankungen assoziiert war. Gleichzeitig sollte der Einsatz von Isotretinoin wegen seltener individueller psychiatrischer Nebenwirkungen zurückhaltend erfolgen und bei Menschen mit Depression nur nach individueller Abwägung, dokumentierter Aufklärung und mit einem engmaschigen Monitoring verordnet werden.

