KoPra 2026: Digitalisierung in der Praxis: Wie KI den dermatologischen Versorgungsalltag optimieren kann

Die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen eröffnet neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung in der dermatologischen Versorgung. Insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Bildanalyse, Dokumentation und Versorgungssteuerung zeigt ein erhebliches Potenzial zur Unterstützung von Entscheidungen, die letztlich aber immer von Dermatologinnen und Dermatologen getroffen werden müssen. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) sieht in der Integration von KI ein relevantes Instrument, um eine flächendeckende Versorgung auch in Zukunft zu sichern – und fordert klare strukturelle und honorarpolitische Rahmenbedingungen. Aktuelle Entwicklungen diskutieren Expertinnen und Experten des BVDD und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) auf der gemeinsamen virtuellen Pressekonferenz am 24. Februar 2026 zur DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah (26. bis 28. Februar 2026) in Leipzig.

Die Dermatologie ist ein visuell geprägtes Fach und bietet damit ideale Voraussetzungen für besonders leistungsfähige Deep-Learning-Verfahren. So ermöglichen moderne KI-Algorithmen die automatisierte Analyse dermatoskopischer und klinischer Hautbilder. Mehrere internationale Studien konnten zeigen, dass KI-Systeme bei der Klassifikation pigmentierter Läsionen – insbesondere im Hinblick auf das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) – eine diagnostische Sensitivität erreichen, die mit der von erfahrenen Dermatologinnen und Dermatologen vergleichbar ist. Studien belegen zudem, dass KI-Assistenzsysteme die diagnostische Genauigkeit erhöhen können, wenn sie als „Second Reader“ in den Entscheidungsprozess integriert werden. Dadurch lassen sich sowohl falsch-negative Befunde als auch unnötige Exzisionen reduzieren. „Entscheidend ist jedoch, dass es bei der Integration von KI-gestützten Entscheidungen bei Diagnose und Therapie nicht um Mensch gegen KI geht, sondern immer um Mensch plus KI. So gut eine KI auch sein mag, sie sollte nicht die Oberhand im Arzt-Patienten-Verhältnis erlangen“, betont BVDD-Vizepräsidentin und BVDD-Referentin für Digitales Dr. med. Thyra Caroline Bandholz.

Optimierung des ambulanten Versorgungsalltags
Neben der Diagnostik kann KI administrative und organisatorische Abläufe unterstützen. Dazu zählt beispielsweise die automatisierte Dokumentation. Dabei wird durch Spracherkennung und strukturierte Befundgenerierung der zeitliche Aufwand für das Schreiben von Arztbriefen reduziert. Zudem gewinnt mit Blick auf die Steuerung von Patientenströmen eine KI-basierte Vorauswahl eingehender Anfragen zunehmend an Bedeutung, um eine priorisierte Terminvergabe bei dringlichen Verdachtsfällen zu ermöglichen. Und nicht zuletzt können digitale Bildverlaufsanalysen im Rahmen eines Therapieverlaufsmonitorings objektive Veränderungen bei chronisch-entzündlichen Dermatosen wie Psoriasis oder atopischer Dermatitis quantifizieren. „Gerade vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen, abnehmender Arztzeit und eines zunehmenden Fachkräftemangels trägt die Prozessautomatisierung zur Entlastung des medizinischen Personals bei und schafft mehr Zeit für eine patientenzentrierte Versorgung“, erläutert Bandholz.

Regulierung und ethische Aspekte
Trotz der vielversprechenden Datenlage und Möglichkeiten ist die Implementierung KI-gestützter Systeme in die dermatologische Patientenversorgung an regulatorische, datenschutzrechtliche und ethische Rahmenbedingungen gebunden. Medizinische KI-Anwendungen unterliegen in Europa der Medizinprodukteverordnung (MDR) sowie künftig ergänzend dem AI Act der Europäischen Union. Wesentliche Erfolgsfaktoren aus Sicht des BVDD für eine erfolgreiche Implementierung sind die Transparenz beziehungsweise die Nachvollziehbarkeit der Algorithmen, die Berücksichtigung unterschiedlicher Hauttypen zur Vermeidung algorithmischer Verzerrungen und vor allem die Integration in bestehende Praxisverwaltungssysteme. „Entscheidend ist zudem die klare Rollenverteilung: KI ist Entscheidungsunterstützung, die ärztliche Verantwortung bleibt beim Behandlungsteam“, unterstreicht die BVDD-Vizepräsidentin.

Teledermatologie als Versorgungsbrücke
Darüber hinaus ermöglicht Teledermatologie – unabhängig von einer KI-Unterstützung – in strukturschwachen Regionen eine digitale Erstbeurteilung von Hautveränderungen und damit eine niedrigschwellige Zugangsmöglichkeit zur fachärztlichen Expertise – entweder im direkten Kontakt zwischen Patient und Arzt oder in Form eines Telekonsils zwischen Ärzten. Ein Beispiel für einen solchen fachlichen Austausch ist das „Telemedizinische Facharztkonsil“ in Bayern, mit dem der BVDD, der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV), das Fußnetz Bayern sowie die Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) einen ersten Selektivvertrag gestartet hat, um unklare Hautveränderungen am Körper und am Fuß schnell und unkompliziert einzuordnen. Über eine zertifizierte Telekonsil-Plattform können Hausärztinnen und Hausärzte die fachärztliche Einschätzung von teilnehmenden Dermatologinnen und Dermatologen anfordern. Diese erhalten strukturiert aufbereitete Befunde – und liefern anschließend ihre Diagnoseeinschätzung sowie Therapieempfehlungen. Das Telekonsil wird von vielen Betriebskrankenkassen erstattet und ist ein wichtiger Meilenstein für die medizinische Versorgung.

BVDDconnect – der Berufsverband der Deutschen Dermatologen startet eigene Digital-Plattform
Seit zehn Jahren setzt sich der Berufsverband der Deutschen Dermatologen verstärkt dafür ein, digitale Innovation verantwortungsvoll, qualitätsgesichert und wirtschaftlich tragfähig in die ambulante Versorgung zu integrieren. So startete der BVDD 2016 als erster Berufsverband ein zukunftsweisendes Pilotprojekt zur Videosprechstunde mit der Techniker Krankenkasse. 2021 veröffentlichte der BVDD zusammen mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) die S2k-Leitlinie „Teledermatologie“, die zurzeit überarbeitet wird. Sie definiert erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage für ein medizinisches Fachgebiet Qualitätsstandards zur telemedizinischen Versorgung von Patienten. Jetzt folgt ein weiterer entscheidender Schritt in die Zukunft: Der BVDD hat aktuell den Startschuss gegeben für die Entwicklung einer eigenen digitalen Plattform. „Mit BVDDconnect schaffen wir eine neue Möglichkeit, über die unsere Mitglieder die gesamte digitale Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten aus einer Hand bewerkstelligen können – von einer teledermatologischen Erstbeurteilung über die Versorgung innerhalb der BVDD-Selektivverträge bis zur schnellen Dokumentation in den gängigen Praxisverwaltungssystemen. Mit der neuen Plattform sehen wir unsere Fachgruppe auch vor dem Hintergrund eines geplanten Primärarztsystems mit zunehmender Patientensteuerung zukunftssicher aufgestellt“, gibt BVDD-Vizepräsidentin Bandholz bekannt. 

Terminhinweis:
DERMATOLOGIE kompakt & praxisnah (KoPra)
gemeinsame Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. (DDG) und des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD) vom 26. bis 28. Februar 2026 im Congress Center Leipzig

Hinweise zur Presseakkreditierung

Vorab-Registrierung endet am Fr, 20.02.2026.
Sie können sich ab dem 26.02.2026 auch vor Ort mit Ihrem Presseausweis oder einer Redaktionsbescheinigung (journalistische Redaktion/Verlag) anmelden und die Tagung besuchen.

Online-Pressekonferenz von DDG und BVDD 

Termin: 24.02.2026, 11 bis 12 Uhr

Link zur Teilnahme:

https://us06web.zoom.us/j/82878513610?pwd=Fa2NyXlweKgsgCRVpxrinURh2TGaWx.1

Kenncode: 371049

Programm der Pressekonferenz
Wissenschaftliches Programm 
Tagungsnews

Hinweis:
An der Pressekonferenz können Sie auch ohne Tagungsanmeldung teilnehmen. Einwahldaten s. o.

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Pressekontakte:
Deutsche Dermatologische Gesellschaft e. V. (DDG) 
Dagmar Arnold
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit 
Tel.: +49 30 246253-35
E-Mail: d.arnold(at)derma.de

Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD) 
Wolfgang Hardt
Leitung Pressestelle & Redaktion
Tel.: +49 2251 776 25-12
E-Mail: w.hardt(at)bvdd.de