Stellungnahme „Impfungen gegen SARS-CoV-2“ aktualisiert

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) hat ihre Stellungnahme aus dem Februar 2021 zum Thema „Impfungen gegen SARS-CoV-2“ aktualisiert. Die DDG empfiehlt die Impfung gegen SARS-CoV-2 auch bei Immunsupprimierten oder Patientinnen und Patienten unter immunmodulierender Therapie. Vor der Impfung muss individuell entschieden werden, ob und ggf. wie die laufende immunsuppressive Therapie angepasst werden kann, um den besten Impferfolg zu gewährleisten. 

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) empfiehlt die Impfung gegen SARS-CoV-2 auch bei Immunsupprimierten oder Patientinnen und Patienten unter immunmodulierender Therapie. Vor der Impfung muss individuell entschieden werden, ob und ggf. wie die laufende immunsuppressive Therapie angepasst werden kann, um den besten Impferfolg zu gewährleisten.

Derzeit sind vier Präparate in der Europäischen Union zur Impfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zugelassen:
mRNA-Impfstoffe: Comirnaty™ (BioNTech/Pfizer) ist ab dem 16. Lebensjahr zugelassen, während Covid-19 Vaccine Moderna™ bei Erwachsenen ab dem 18. Lebensjahr eingesetzt werden kann. Beides sind mRNA-Impfstoffe und kodieren das Spike-Protein von SARS-CoV-2, auf das eine Immunreaktion generiert wird, die zu einem Immungedächtnis führen soll. Die zweite Gabe der mRNA-Impfstoffe soll nach 6 Wochen erfolgen. Derzeit evaluiert die EMA für Comirnaty™ die Zulassung für Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr.

Vektor-basierte Impfstoffe: Als dritter Impfstoff wurde Vaxcevria (COVID-19 Vaccine Astra-Zeneca™) zugelassen. Dieser nutzt einen Adenovirus-Vektor, um die genetische Information des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 in einige Körperzellen einzuschleusen. Obwohl die Zulassung durch die EMA ab dem 18. Lebensjahr ohne Alterseinschränkung erfolgte, empfiehlt die STIKO diesen nur Personen älter als 60 Jahre. Der Einsatz der Vakzine unterhalb der Altersgrenze bleibt nach ärztlichem Ermessen und individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung möglich. Die zweite Gabe erfolgt nach 12 Wochen.
Die STIKO empfiehlt, beide Corona-Impfungen mit dem identischen Präparat durchzuführen. Eine Ausnahme gilt für Personen, die jünger als 60 Jahre sind und die erste Impfung mit Vaxcevria (COVID-19 Vaccine Astra-Zeneca™) erhalten haben. Diesen Personen wird empfohlen, einen mRNA-Impfstoff 12 Wochen nach der Erstimpfung zu erhalten.

Ein weiterer zugelassener Vektor-basierter Impfstoff ist COVID-19 Vaccine Janssen (Johnson & Johnson™). Dieser Impfstoff muss nur einmal verimpft werden und ist für alle Altersgruppen ab dem 18. Lebensjahr laut STIKO empfohlen.

Alle zugelassenen Corona-Impfstoffe enthalten kein infektiöses Virus und können in Analogie zu Totimpfstoffen bei Immunsupprimierten bzw. Patienten unter immunsuppressiver oder immunmodulierender Therapie verimpft werden. Bezüglich Immunogenität, Sicherheit und Wirksamkeit bei Immunsupprimierten wurde keiner der Impfstoffe untersucht. Zu erwarten ist, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes in Abhängigkeit von Art und Ausmaß der Immunsuppression bzw. -defizienz eingeschränkt sein kann. Hingegen ist laut Robert Koch-Institut (RKI) in Analogie zu Totimpfstoffen nicht von einer reduzierten Sicherheit bei immunsupprimierten Patienten auszugehen.

Keines der drei empfohlenen Präparate erwähnt Immunsuppression oder immunmodulierende Therapie als Kontraindikation, jedoch liegen aus den Zulassungsstudien keine Daten zu diesen Patientengruppen vor. 

Analog zu den Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zur Durchführung immunsupprimierender oder immunmodulierender Therapien währen der Covid-19-Pandemie, sollten auch für die Impfung diese Therapien weitergeführt werden. Angestrebt wird die möglichst geringste Immunsuppression zum Zeitpunkt der Impfung. In einem Anwendungshinweis, der im Bundesgesundheitsblatt 2019 mitgeteilt wurde, wird empfohlen, bei einer anti-TNF-Therapie, einer anti-IL-17 oder einer anti-IL-23 Therapie die Totimpfstoffgabe in die Mitte der Injektionsintervalle zu legen. Unter Therapie mit Azathioprin erreichte ein Großteil der Geimpften einen protektiven Serumantikörperspiegel gegen Pneumokokken und Tetanus, auch unter Methotrexat-Therapie kommt es in niedriger Dosierung zu keiner Einschränkung des Impfschutzes. Eine Ausnahme könnte eine B-Zell-Depletion mit dem monoklonalen Anti-CD20-Antikörper Rituximab darstellen, der zur Therapie des Pemphigus und weiterer Autoimmunerkrankungen zugelassen ist. Sofern medizinisch machbar, sollte Rituximab pausiert werden und eine Therapieumstellung erwogen werden, um eine verbesserte Impfantwort zu ermöglichen. Unter Rituximab führten Totimpfstoffe gegen Pneumokokken oder Influenza nur zu einer reduzierten Immunantwort.

Die medikamentöse Immunsuppression bei Organtransplantierten scheint die Bildung von Antikörpern nach Impfung gegen SARS-CoV-2 zu hemmen, während eine immunsuppressive oder immunmodulierende Therapie bei chronisch entzündlichen Erkrankungen die Impfwirkung nicht zu beeinflussen scheint.

Zusammenfassend wird daher auch bei Immunsupprimierten oder Patienten unter immunmodulierender Therapie eine Impfung gegen SARS-CoV-2 klar empfohlen. Vor der Impfung muss individuell entschieden werden, ob überhaupt und ggf. wie die laufende immunsuppressive Therapie angepasst werden kann, um den besten Impferfolg zu gewährleisten.

Quellen:
Boyarsky BJ, Werbel WA et al.: Immunogenicity of a Single Dose of SARS-CoV-2 Messenger RNA_Upda Vaccine in Solid Organ Transplant Recipients. JAMA 2021, epub ahead
Crnkic Kapetanovic M, Saxne T et al.: Rituximab and abatacept but not tocilizumab impair antibody response to pneumococcal conjugate vaccine in patients with rheumatoid arthritis. Arthritis Res Ther 2013, 15:R171
Geisen UM, Berner DK et al.: Immunogenicity and safety of anti-SARS-CoV-2 mRNA vaccines in patients with chronic inflammatory conditions and immunosuppressive therapy in a monocentric cohort. Ann Rheum Dis, 2021, epub ahead
Oren S, Mandelboim M  et al.: Vaccination against influenza in patients with rheumatoid arthritis: the effect of rituximab on the humoral response. Ann Rheum Dis 2008, 67:937-41
Wagner N, Assmus F et al.: Impfen bei Immundefizienz. Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. Bundesgesundheitsblatt 2019, 62:494–515
Epidemiologisches Bulletin, 5/21. Robert-Koch-Institut, 04. Februar 2021. 

Stand: 12.05.2021
 

Erstellt am
12.05.2021