"Knowledge Convergence" - Die Distanz zwischen Allgemein- und Fachwissen wird kleiner

Nicht mehr das medizinische Wissen selbst, sondern dessen Analyse und redaktionelle Aufbereitung sind Hauptaufgaben der Wissensvermittlung.

Die Wichtigkeit öffentlich zugänglicher, redaktionell betreuter Inhalte auf derma.de

Vor einigen Jahren tauchte mit der zunehmenden Vernetzung über das Internet ein neues Problem auf. Internetnutzer begannen Peer-to-Peer Filesharing Programme zu installieren, also Programme, die jedem Interesssenten den Zugriff auf bestimmte Inhalte der eigenen Festplatte ermöglichen. In Windeseile verbreiteten sich Musik, Dokumente und Dateien von großem Interesse über das Internet. Faktische Urheberrechtsverletzungen sind seitdem an der Tagesordnung.

In der resultierenden Diskussion über den gesetzlichen Schutz von Wissen und immateriellen Gütern kamen allerlei Lösungsvorschläge auf. Die meisten jedoch übersahen einem wichtigen Umstand: Das Internet ist, verglichen mit bisherigen Formen der Speicherung und Vermittlung von Wissen, etwas völlig neues. Öffentliche Bibliotheken haben nicht das Problem (den Vorteil?), dass ihre Nutzer mit Kopiergeräten unter dem Arm kommen können, um sich alles von Interesse zu kopieren. Zu unpraktisch ist ein solches Unterlaufen des Copyrights selbst beim Inhalt eines medizinischen Fachbuchs. Im Internet jedoch sind die Grenzen fließend. Keine unüberwindliche Hürde verhindert den Zugang zu Fachwissen und das Monopolisieren geistiger Inhalte ist nahezu unmöglich.  

Was aber geschieht?
Wie reagieren die Fachleute? Schotten sie sich ab und belassen es bei Fotos von Haustieren und Kochrezepten im Internet? Nein - definitiv nicht.

Jeder weiß inzischen, dass die Vorteile der Annäherung von Wissensspektren und des gemeinschaftlichen Zusammenführens von Wissen (Knowledge Convergence genannt) die Nachteile des Abgebens eigener Privilegien um ein Vielfaches überwiegen. Vergessen wir nicht: Das World Wide Web (www), in Deutschland oft sogar als Synonym für das Internet gebraucht, war ursprünglich eine Plattform für wissenschaftliche Publikationen und deren Querverweise (Links). Wenige Jahre nach Einführung der ersten P2P Programme hat sich die fachspezifische Nutzung des Internet stark gewandelt. Quasi über Nacht hat zum Beispiel die Musikindustrie ihr Wehklagen eingestellt und ihre Vermarktungswege um neue, vielversprechende Onlinevertriebskanäle ergänzt. Schon gilt Fachleuten das Medium CD als veraltet. Verwaltungen, Behörden und medizinische Einrichtungen stellen auf netzbasierte, papierlose Verfahren um.

Und scharenweise stellen Internetnutzer ihr Wissen auf Internetportalen der Allgemeinheit zur Verfügung. Nicht mehr das Wissen selbst, sondern dessen Analyse und redaktionelle Aufbereitung sind Hauptaufgaben der Wissensvermittlung. Ganz so, wie wir es eben auf Derma.de praktizieren.

Autor: Phillip Richdale, Projektmanager für Derma.de

Erstellt am
21.02.2005
Themen
Nachrichten