Aufruf zum Protest

Dermatologische Verbände und Organisationen wollen die finanzielle Überforderung Hautkranker und Allergiker stoppen

Neben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft beteiligen sich insgesamt 12 Organisationen, darunter der Berufsverband der Deutschen Dermatologen und der Deutsche Neurodermitisbund, an der Protestaktion. Bis zum 15. September wollen die beteiligten Verbände Unterschriften chronisch hautkranker Patienten und ihrer Angehörigen sammeln, um Nachbesserungen im Gesetz zur Gesundheitsreform für die betroffenen Patienten zu erreichen. Lesen Sie im Folgenden den gemeinsamen Aufruf:

 

Worum geht es?

Seit dem 1. April 2004 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen ihren hautkranken Mitgliedern mit wenigen Ausnahmen rezeptfreie Medikamente (so genannte „OTC-Präparate”) nicht mehr. In die vom Gesetzgeber vorgesehene Ausnahmeregelung sind für Hautkranke und Allergiker wichtige Wirkstoffe nicht einbezogen worden. So werden Harnstoffpräparate beispielsweise fälschlich als „reine Pflegemittel“ eingestuft. Viele dieser seit dem 16.3. vermutlich irrtümlich als „OTC-Präparate“ eingeordneten Substanzen sind für schwer Hautkranke und Allergiker medizinisch absolut notwendig. Wird beispielsweise ein Heuschnupfen nicht ausreichend behandelt, droht ein „Etagen-Wechsel” hin zu allergischem Asthma. Bei entzündlichen Hauterkrankungen, bei allergischem Schnupfen und Asthma kann man einen akuten Schub mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zurückdrängen. Da aber chronische Krankheiten immer wieder auftreten, muss auch zwischen den Schüben behandelt werden („Intervalltherapie“). Bei Patienten, die z. B. ihre Haut nicht regelmäßig mit Basisdermatika oder Balneotherapeutika behandeln, verschlechtert sich der Hautzustand zusehends und der nächste Krankheitsschub kommt deutlich schneller.

 

Betroffen sind mehrere Millionen Kranke mit:

· Neurodermitis

· Schuppenflechte (Psoriasis)

· Fischschuppenkrankheit (Ichthyose)

· Heuschnupfen, allergischem Asthma oder einem allergischem Kontaktekzem

· geschwächtem Immunsystem

· chronischen Wunden und anderen schweren Hautkrankheiten.

Jeden Monat müssen sie jetzt Beträge im zwei- bis dreistelligen Euro-Bereich aus eigener Tasche bezahlen. Keine andere Patientengruppe wird so offen gezwungen, einen Teil seiner Kosten für eine Standardtherapie nach den fachmedizinischen Leitlinien selbst zu tragen. Wer dieses Geld nicht hat, wird versuchen, sich vom Arzt teure, aber rezeptpflichtige Medikamente verschreiben zu lassen. Viele werden ihre Hautkrankheit oder Allergie nicht behandeln, weil diese Ausgaben nicht bei der Zuzahlungsgrenze von 2% bzw. 1% berücksichtigt werden („Überforderungsklausel“). Wenn sie dann doch in die Arztpraxis kommen, helfen nur noch teure Medikamente oder lange Klinikaufenthalte.

 

Wir fordern:

· Schluss mit der finanziellen Überforderung schwer Hautkranker und Allergiker für medizinische Standardtherapien.

· Alle rezeptfreien Präparate, die Hautkranke und Allergiker medizinisch dringend benötigen, müssen in die Überforderungsgrenze

· bei Zuzahlungen mit eingerechnet werden.

· Gleiche Zuzahlungsregelungen für alle Patientengruppen.

Die Krankenkassen müssen weiterhin alle Medikamente bezahlen, die zur medizinisch notwendigen „Standardtherapie“ gehören unabhängig davon, ob sie rezeptpflichtig oder rezeptfrei sind. Was eine Standardtherapie mit rezeptfreien Wirkstoffen ist, dürfen allein fach- und sachkundige Mediziner entscheiden. OTC-Präparate müssen in die Zuzahlung eingerechnet werden. Was über der festgelegten Selbstbeteiligung liegt, hat die Kasse zu zahlen. Ohne Wenn und Aber aber – für alle gleich.

 

Kopiervorlagen für die Unterschriftenliste können bei der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft unter ddg@derma.de angefordert werden.

Erstellt am
19.07.2004
Themen
Nachrichten