Neues zu blasenbildenden Autoimmunerkrankungen der Haut

Deutsche Dermatologische Gesellschaft präsentiert wissenschaftliche Erkenntnisse

Berlin, 1. Mai 2019 – Blasenbildende Autoimmunerkrankungen sind seltene, jedoch lebensbedrohliche Erkrankungen der Haut und Schleimhäute. Bei diesen Hauterkrankungen bilden Zellen des Immunsystems (Plasmazellen) bestimmte Eiweiße (Antikörper). Diese Antikörper schädigen mit den körpereigenen T-Zellen Strukturen die Haut. Die Oberhaut (Epidermis) löst sich und es bilden sich Blasen auf der Haut. Die Expertinnen und Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft präsentieren auf ihrer 50. Tagung vom 1. bis zum 4. Mai 2019 im Berliner CityCube neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu bullösen Dermatosen (Pemphigus), den blasenbildenden Autoimmunerkrankungen.

Serologische Testungen bei blasenbildenden Autoimmunerkrankungen

Prof. Dr. Hertl, Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Marburg und Experte für bullöse Dermatosen, gibt Einblick in den aktuellen Stand der dermatologischen Forschung. „Durch ein besseres Verständnis für die Entwicklung dieser Erkrankungen können wir blasenbildende Autoimmunerkrankungen jetzt mit handelsüblichen, serologischen Testsystemen viel spezifischer diagnostizieren.“ Hierbei können die entsprechenden Antigene und Antikörper nachgewiesen werden. Die meisten bullösen Dermatosen werden immunsuppressiv, also durch die Unterdrückung des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) behandelt. Das erfolgt entweder mit sogenannten Glukokortikoiden oder im Anschluss an eine konservative Behandlung durch adjuvant eingesetzte Immunsuppressiva bis zum Rückgang der Krankheitssymptome. Die Mortalität (Sterblichkeit) bei diesen Autoimmunerkrankungen konnte auf diesem Weg deutlich gesenkt werden. Allerdings weisen systemische Glukokortikoide nicht unerhebliche Begleitwirkungen auf. Dazu gehören Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, Magen-Darm-Geschwüre, Osteoporose sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Studien zeigen Remission von Autoimmundermatosen

Für die Behandlung von Autoimmundermatosen wurde vor kurzem der monoklonale Antikörper Rituximab als First Line-Therapie zugelassen. Prospektive Studien zeigten unter Rituximab langfristige Remissionen der Autoimmundermatosen. Es laufen weitere klinische und präklinische Studien mit dem Ziel, die autoreaktiven T- und B-Zellen sowie Autoantikörper bei Patientinnen und Patienten mit einer bullösen Dermatose zu eliminieren.

Chronischer Juckreiz – Indiz für Dermatoserisiko

Das bullöse Pemphigoid ist die häufigste blasenbildende Hauterkrankung im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Aufgrund verschiedener Komorbiditäten zeigt sich hier eine hohe Mortalität im Altersgruppenvergleich. Als Kardinalsymptom gilt ein chronischer Juckreiz, der mit vielgestaltigen Hautveränderungen verbunden ist. Es hat sich gezeigt, dass ältere Menschen mit Juckreiz-assoziierten Hauterkrankungen bereits Serumautoantikörper gegen die Autoantigene der Haut aufweisen können. Damit besteht möglicherweise ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer blasenbildenden Autoimmunerkrankung, des bullösen Pemphigoids.

Klinische Erfahrungen mit Immunsuppressiva   

Therapeutisch zeigen sowohl systemische als auch lokal angewandte Glukokortikoide eine ähnliche klinische Wirksamkeit. „Die Wahl der Therapie orientiert sich am Versorgungszustand der Patientin oder des Patienten“, so Prof. Dr. Hertl. Als adjuvante steroidsparende Immunsuppressiva werde bei einem Pemphigoid Dapson, Azathioprin, Methotrexat und Doxycyclin gegeben. Eine kürzlich publizierte Studie legt nahe, dass Doxycyclin einen gleichwertigen therapeutischen Effekt wie die systemischen Glukokortikoide aufweist. Dabei sei zu berücksichtigen, dass Glukokortikoide um 30 Prozent stärker entzündungshemmend wirken, so Hertl weiter.

Autor:

Prof. Dr. med. Michael Hertl
Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie
Universitätsklinikum Marburg/ UKGM
Tel.:   (+49) 06421 - 58 66280 / 66281
Fax:   (+49) 06421 - 58 62902
E-Mail: hertl@med.uni-marburg.de

Deutsche Dermatologische Gesellschaft

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700 Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie, Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie Stipendien.

Eröffnungsveranstaltung der 50. DDG-Tagung

Die Eröffnung der 50. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zum Internationalen Tag der Hautgesundheit findet am 1. Mai 2019 von 18 bis 21 Uhr im Marshall Haus statt.
Für weitere Auskünfte stehen die DDG-Geschäftsstelle und die DDG-Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung.

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Die DDG unterhält während der Tagung im Berliner CityCube eine Pressestelle, die von 9 bis 17 Uhr besetzt ist.

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Mobil: 0176-62543711

Erstellt am
01.05.2019
Autor
Prof. Dr. med. Michael Hertl
Themen
Nachrichten, DDG Infos, Berufspolitik, Dermatologie allgemein , Pressemittteilung
Quelle
DDG e.V.