Entwicklung von Hautinfektionen

Breitbandantibiotika begünstigen Wachstum resistenter Bakterien

Berlin, 1. Mai 2019 – Bakterielle Infektionen der Haut und des Weichgewebes gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen des Menschen. Dazu gehören beispielsweise Erysipel (Wundrose), Phlegmone und Abszesse. Sie sind in vielen Ländern der zweithäufigste Anlass für eine Verordnung von Antibiotika. Die Haut bietet auf etwa 1,5 m2 eine große Angriffsfläche für die verschiedensten Infektionserreger. Gleichzeitig ist die gesunde Haut mit Billionen Bakterien, Milben und Pilzen besiedelt. Der Lebensraum dieser Mikroorganismen oder deren Gene werden als Mikrobiom der Haut bezeichnet.

Chronische Wunden und Infektionen

Mit zunehmendem Lebensalter treten häufiger chronische Wunden auf. Sie sind eine häufige Ursache von bakteriellen Infektionen. Chronische Wunden können sich aus kleinen oberflächlichen Läsionen wie nässendem Hautausschlag (Impetigo) oder Fußpilz, aber auch aus schwerwiegenden Verletzungen der Hautoberfläche entwickeln. Hauptsächlicher Erreger ist das Bakterium Staphylokokkus aureus (S. aureus), der auch ein relevanter Erreger lebensbedrohlicher systemischer Infektionen ist. In Europa liegt die Anzahl der neu auftretenden Staphylokokkus aureus-bedingten Sepsen bei ungefähr 200.000 pro Jahr.

Einsatz von Antibiotika bei Hautinfektionen

Da der Staphylokokkus aureus häufig in Haut- und Weichgewebeinfektionen vorkommt, aber auch als kolonisierender Erreger in der Nase, hat das Bakterium mit seiner Resistenz gegen Methizillin (sog. MRSA) und andere Antibiotika eine besondere Bedeutung. Antibiotika sind durch ihre direkte, kurative Wirkung auf die Infektionserreger aus der Behandlung von Hautinfektionen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig wirken sie jedoch auch gegen andere, „nützliche“ Bakterien des Mikrobioms. „Ein unnötiger Einsatz von Breitbandantibiotika bei Haut- und anderen Infektionen begünstigt das Wachstum resistenter Bakterien in Geweben, die nicht von einer Infektion betroffen sind, beispielsweise im Darm“, so Prof. Dr. Cord Sunderkötter, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Halle. Die verordneten Antibiotika sollten daher so gezielt und schmal wie möglich wirken und rechtzeitig, adäquat lang und in ausreichend hoher Dosis eingesetzt werden. Um diesen Forderungen gerecht zu werden, hat die Deutsche Gesellschaft für Dermatologie (DDG) an entsprechenden Leitlinien mitgearbeitet. Auf der 50. Tagung der DDG vom 1. bis zum 4. Mai 2019 in Berlin werden einige Empfehlungen thematisiert.

Anstieg der Skabies

Die Diagnose Skabies (Krätze) wird in Deutschland in den letzten Jahren auffallend häufig gestellt. Auch der Verbrauch an Antiskabiosa ist deutlich gestiegen. Da die Skabies in Deutschland nicht meldepflichtig ist, können diese nicht bewiesen und genau quantifiziert werden. Die Ausbreitung einer Skabies wird in vielen Teilen der Welt durch ein Zusammenleben auf engem Raum bei mangelnden hygienischen Bedingungen begünstigt. In Deutschland sind solche Verhältnisse nur selten anzutreffen, daher müssen hier zusätzliche Gründe vorliegen. Eine Expertengruppe hat mögliche Ursachen herausgearbeitet, bewiesen ist bislang keine davon. Da Skabies unter anderem während Intimkontakten übertragen wird, ist Promiskuität ein bekannter Risikofaktor für Skabies. Ein Grund für den Anstieg könnte daher im Zusammenhang mit der wieder ansteigenden Zahl von sexuell übertragbaren Infektionen gesehen werden. Außerdem sind Kinder eine unterschätzte Infektionsquelle, denn bei ihnen ist die Prävalenz tendenziell höher als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Sie weisen meist mehr Milben auf, werden dahingehend oft unzureichend behandelt und haben untereinander und zu Familienangehörigen einen intensiveren Körperkontakt. Durch Kinder könnte sich eine Skabies also leichter weiterverbreiten. Um solche kausalen Beziehungen zu verifizieren seien aufwendige epidemiologische Studien notwendig, so Prof. Dr. Sünderkötter.

Resistenz gegen Antiskabiosa

Mit der Zunahme der Skabies gehen Beobachtungen einher, denen zufolge die Milben gegenüber dem Antiskabiosum der ersten Wahl (Permethrin) unempfindlicher geworden sein sollen. Für einen ausbleibenden Therapieerfolg gäbe es drei mögliche Erklärungen: 1) eine fehlerhafte Anwendung, 2) eine Re-Infestation (Re-Infektion) infolge der ausgebliebenen, wichtigen Behandlung von Kontaktpersonen und 3) eine tatsächliche Unempfindlichkeit von Skabiesmilben gegenüber bestimmten Antiskabiosa. Während es für die ersten beiden Möglichkeiten Belege gibt, ist eine Unempfindlichkeit von Krätzemilben methodisch schwierig nachzuweisen (anders als bei den Antibiotikaresistenzen der Bakterien).

Prävention durch Impfen

Schließlich rät Prof. Sunderkötter zur konsequenten Infektionsvorbeugung durch Impfen: „Impfungen sollten wann immer empfohlen und so früh wie angegeben durchgeführt werden.“ Dazu gehöre auch die Impfung gegen „Warzenviren“ (humane Papillomviren). Sie schützten auch vor bestimmten Krebsformen, wie dem Gebärmutterhalskrebs und vor manchen Karzinomen am Penis oder im Rachenraum. Seit dem 30. November 2018 ist die HPV-Impfung auch für Jungen Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Ein weiterer in diesem Jahr zugelassener und empfohlener Impfstoff zielt auf die Vermeidung der schmerzhaften Gürtelrose (Herpes zoster) ab.

Autor:

Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter
Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie, Universitätsklinikum Halle (Saale)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Vorsitzender der AG Dermatologische Infektiologie und Tropendermatologie der DDG
Sekretariat: Frau Katharina Ille
Tel.: 0345 557 3925
Fax: 0345 557 3942
E-Mail: katharina.ille@uk-halle.de

Deutsche Dermatologische Gesellschaft

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700 Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie, Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie Stipendien.

Eröffnungsveranstaltung der 50. DDG-Tagung

Die Eröffnung der 50. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zum Internationalen Tag der Hautgesundheit findet am 1. Mai 2019 von 18 bis 21 Uhr im Marshall Haus statt.
Für weitere Auskünfte stehen die DDG-Geschäftsstelle und die DDG-Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung.

Wenn Sie Ihre Berichterstattung mit einem Expertengespräch ergänzen möchten, stellen wir gerne einen Kontakt für ein Interview her. Rufen Sie uns an: Tel. 030-246253-38 oder 0176-62543711.
Die DDG unterhält während der Tagung im Berliner CityCube eine Pressestelle, die von 9 bis 17 Uhr besetzt ist.

Akkreditierung zur 50. DDG Tagung:
Das Anmeldeformular finden Sie auf unserer Internetseite www.derma.de/de/fuer-aerzte/50-ddg-tagung/registrierung/. Dieses senden Sie bitte ausgefüllt und unterschrieben an folgende E-Mail-Adresse: registration.berlin@mci-group.com

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Fax: 030/246253-29
Mobil: 0176-62543711

Erstellt am
01.05.2019
Autor
Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter
Themen
Nachrichten, DDG Infos, Berufspolitik, Dermatologie allgemein , Pressemittteilung
Quelle
DDG e.V.