Syphilis, Diagnostik und Therapie

Die Syphilis ist eine nahezu ausschließlich sexuell übertragene, in mehreren klinischen Stadien verlaufende, chronische Infektionskrankheit durch die Spirochäte Treponema pallidum. Zunächst handelt es sich um eine regionale Erkrankung mit typischer Primärläsion (Papel, Ulkus) an der Eintrittspforte (> 90% genitoanale Schleimhaut) und indolenter regionaler Lymphadenopathie (Primärsyphilis). Nach 9-12 Wochen und Abheilung der Primärläsion folgt das Sekundärstadium mit Bakteriämie, Allgemeinsymptomen und einem sehr breiten und variablen Spektrum von Haut- und Schleimhautsymptomen. Unbehandelt verläuft die Sekundärsyphilis bis zu einem Jahr chronisch-rezidivierend, dann geht sie in eine mehrjährige, evtl. jahrzehntelange Latenzphase über, in der die noch bestehende immunologische Aktivität ausschließlich serologisch nachzuweisen ist (Syphilis latens). Entwickelt sich in der sich anschließenden Spätphase eine entzündliche Reaktion gegen die Erreger, können die durch granulomatöse Reaktionen gekennzeichneten Symptome der Tertiärsyphilis auftreten. Aus therapeutischen Gründen wird im deutschsprachigen Raum die primäre und sekundäre Syphilis bis 1 Jahr nach dem Infektionszeitpunkt als Frühsyphilis bezeichnet. Alle späteren Krankheitsphasen oder eine latente Syphilis unbekannter Dauer werden als Spätsyphilis zusammengefasst. Wegen diagnostischer und/oder therapeutischer Besonderheiten werden die Neurosyphilis sowie die Syphilis bei Neugeborenen (Syphilis connata), Schwangeren und bei erworbener Immundefizienz/HIV-Infektion gesondert besprochen.

An der Aktualisierung der S2k-Leitlinie (Mai/2020) unter der Federführung der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) waren insgesamt elf Fachgesellschaften beteiligt. Die Aktualisierung der Leitlinie aus dem Jahr 2014 war aus verschiedenen Gründen nötig: Im Bereich der Diagnostik werden neue point-of-care-Tests und treponemale und non-treponemale Schnelltests eingesetzt, die Resistenzen der Syphilisbakterien auf bestimmte Antibiotika (Makrolide) haben weltweit zugenommen und der Beratungsbedarf für den Einsatz medikamentöser Prophylaxen ist gestiegen. Das Kapitel Partner-Benachrichtigung, Partner-Behandlung und Postexpositions-Prophylaxen wurde erheblich erweitert. Eine rasche Diagnose und damit eine früh einsetzende Behandlung sowie das Unterbrechen der Infektionsketten durch die Information und ggf. Behandlung möglicherweise infizierter Sexualpartner sind die Ziele. 

Diagnostik und Therapie der Syphilis: Aktualisierung S2k-Leitlinie 

Erstellt am
14.10.2020
Themen
Leitlinien