Sinus pilonidalis

Hintergrund: Der Sinus pilonidalis ist eine erworbene Erkrankung. Scharfe, steife Haarfragmente spielen bei der Pathogenese eine wichtige Rolle. Das Ziel dieser Leitlinie ist, die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungsverfahren aufzuzeigen und eine optimale, Evidenz-basierte Therapieempfehlung abzugeben.

Methode: Es wurde ein systematisches Review der Literatur vorgenommen.

Ergebnisse: Es können drei Erscheinungsformen des Sinus pilonidalis differenziert werden: der blande Befund ohne stattgehabte Exsudation, der akut abszedierende und der chronische Sinus pilonidalis. Die häufigste Erscheinungsform des Pilonidal- sinus ist das chronische Stadium mit intermittierenden Absonderungen. Zurzeit existiert keine universelle Therapie, die alle Anforderungen an eine einfache, schmerzfreie Behandlung mit schneller Wundheilung und geringer Rezidivrate erfüllt. Die Behandlung der verschiedenen klinischen Erscheinungsformen des Pilonidalsinus erfordert vielmehr ein Portfolio an verschiedenen chirurgischen Therapieoptionen.

Schlussfolgerung: Ein blander Sinus pilonidalis bedarf keiner Therapie. Bei der akut abszedierenden Form gibt es Hinweise darauf, dass eine primäre Abszessentdeckelung in Verbindung mit einer sekundären Versorgung des Sinus pilonidalis im entzündungsfreien Intervall durch eine der weiter unten beschriebenen Behandlungsmethoden vorteilhaft ist. Beim chronischen Sinus stellt die Exzision derzeit die Standardbehandlung dar. Die offene Wundbehandlung mit sekundärer Wundheilung ist ein sicheres Verfahren, das aber mit einer langen Wundheilungsdauer, Arbeitsunfähigkeit und nicht zu vernachlässigender Rezidivrate einhergeht. Die Größe der Exzision sollte auf das absolut notwendige beschränkt werden. Die minimal invasiven Techniken – u.a. das so genannten Pit-Picking - stellt ebenfalls eine Behandlungsoption für die chronische Erscheinungsform dar, wobei mit einer höheren Rezidivrate im Vergleich zu den Exzisionstechniken gerechnet werden muss. Sie können aber als erste Methode bei unkompliziertem Pilonidalsinus eingesetzt werden. Die Exzision mit primärem Verschluss in der Mittellinie ist mit deutlich schlechteren Ergebnissen verbunden und somit obsolet. Wenn minimal-invasiven Methoden nicht zum Einsatz kommen, sollten die plastischen (asymmetrischen) Techniken und Verschiebelappen verwendet werden. Limberg- und Karydakis-Lappen sind die derzeit am häufigsten angewendeten
Verfahren und hinsichtlich der Ergebnisse gleichwertig.

 

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Erstellt am
01.06.2020