Schnellere Heilung durch bessere Versorgung

Interdisziplinäre Wundambulanzen sollen die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden verbessern

In Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen an chronischen Wunden. Betroffen sind vor allem ältere Patienten mit Venenleiden oder Diabetes. Obwohl offene Beingeschwüre zu den Volkskrankheiten zählen, ist die medizinische Versorgung der betroffenen Patienten vielerorts noch immer unbefriedigend. Die langwierigen Behandlungen verursachen hohe Kosten. Bis zu eineinhalb Milliarden Euro geben die gesetzlichen Krankenkassen jedes Jahr allein für Wundauflagen und Verbandsmaterial für Patienten mit chronischen Wunden aus. Jetzt soll ein modernes Behandlungskonzept die Versorgung der betroffenen Patienten verbessern und die Kosten der Behandlung dämpfen. Zentraler Bestandteil des Konzepts sind interdisziplinäre Wundambulanzen, in denen Patienten ambulant bzw. teilstationär behandelt werden.

 

Normalerweise dauert es nur wenige Tage: nach einer Verletzung regeneriert sich die Haut schnell und schließt die Wunde. Doch bei Patienten mit Venenleiden oder Diabetes kommt es in der Regel zu verzögerter Heilung an den Beinen zu Durchblutungsstörungen in den Beinen kommen. Die häufige Folge sind Unterschenkel- und Fußgeschwüre: offene nur schwer heilende Wunden. Häufig begleiten sie die betroffenen Patienten über Monate oder Jahre. ?Die Zahl der Patienten mit chronischen Wunden wird in den kommenden Jahren auf Grund der Alterspyramide noch deutlich zunehmen?, erwartet Professor Dr. Dr. Martin Steinhoff von der Klinik für Hautkrankheiten der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Denn von chronischen Wunden sind vor allem ältere Patienten betroffen. ?Die steigende Zahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft, lässt eine höhere Patientenzahl erwarten.?

 

Professor Steinhoff und seine Kollegen behandeln wöchentlich bis zu 50 Patienten in der im Jahr 2000 eingerichteten Wundambulanz mit angeschlossener Tagesklinik an der Universität Münster. Hier ist ein interdisziplinäres Ärzte- und Pflegeteam an Diagnose und Therapie der chronischen Wunden beteiligt. Doch das sei in Deutschland noch längst nicht der Regelfall, beklagt Steinhoff. ?Vielerorts werden chronische Wunden unsachgemäß oder gar nicht behandelt.? Oftmals würden Patienten viel zu spät an eine spezialisierte Einrichtung überwiesen. ?Doch je später eine gezielte Therapie begonnen wird, umso länger dauert die Behandlung insgesamt?, weiß Steinhoff. Und das ist Zeit, in der die Patienten Schmerzen leiden und erhebliche Einbußen in ihrer Lebensqualität hinnehmen müssen. Andere häufig auftretende Begleiterscheinungen chronischer Wunden sind Infektionen, Juckreiz und Allergien.

 

Deshalb hat es sich die Deutsche Dermatologische Gesellschaft seit zwei Jahren zur besonderen zur Aufgabe gemacht, die Versorgungsqualität bei der Behandlung chronischer Wunden langfristig zu verbessern. Obwohl die Behandlung von Wundpatienten in Deutschland bisher eine Domäne sowohl der Dermatologie als auch der Chirurgie ist, haben sich in den vergangenen Jahren vor allem die Dermatologen um die Erforschung neuer Therapien und Versorgungskonzepte bemüht. Im Rahmen des Managements der Wundheilung fördert die Deutsche Dermatologische Gesellschaft die Einrichtung und Vernetzung dermatologischer Wundambulanzen.

 

?Derzeit gibt es deutschlandweit 16 Wundambulanzen?, erklärt Professor Steinhoff. ?Gemessen am Bedarf ist diese Zahl jedoch noch nicht ausreichend?, so seine Einschätzung. Steinhoff verweist dabei auf die positiven Erfahrungen im Ausland. So gäbe es den USA und einigen skandinavischen Ländern bereits ein flächendeckendes Netz von Wundzentren. Vor allem Universitätskliniken seien für die künftige Einrichtung von Wundambulanzen geeignet. ?Die institutionelle Vernetzung sämtlicher klinischer Fachdisziplinen an einem Universitätsklinikum oder anderem großen Krankenhaus ermöglicht eine optimale interdisziplinäre Versorgung?, so Steinhoff.

 

Eine solche Zusammenarbeit kommt auch einer weiteren Aufgabe der Wundambulanzen zu gute: bei der Ausarbeitung von Behandlungsleitlinien. So haben Professor Steinhoff und seine Kollegen von der Wundambulanz an der Universität Münster mit Unterstützung der DDG einen so genannten ?klinischen Behandlungspfad? (Clinical Pathway) erarbeitet. ?Unser Ziel ist es, die Behandlung der Patienten mit chronischen Wunden so effizient, wie möglich zu gestalten.? Gemeinsam haben die an der Patientenbehandlung beteiligten Ärzte und Pflegende ihre Qualitäts- und Behandlungsziele überprüft. ?Auf diese Weise konnten wir die Abläufe bei der Diagnose und Therapie unserer Patienten optimieren und nutzen nun unsere klinischen Ressourcen bestmöglich aus?, resümiert Steinhoff. Und das sei sowohl im Interesse der Patienten als auch der Kostenträger.

 

Erstellt am
06.03.2005
Themen
Nachrichten