Hoffnung auf mehr Lebensqualität

Neue Medikamente versprechen Hilfe bei schwerer Schuppenflechte

Etwa zwei bis drei von Hundert hellhäutigen Menschen sind betroffen. Sie leiden an Schuppenflechte (Psoriasis). Allein in Deutschland wird ihre Zahl auf bis zu 2 Millionen geschätzt. Die Haut der Patienten ist entzündlich gerötet und schuppt sich ab. Betroffen sind vor allem Hautpartien an den Armen, Beinen und am Kopf. Schuppenflechte ist bis heute nicht heilbar. Für die Patienten bedeutet das eine lebenslange Behandlung, um die Symptome zu lindern. Bestehende Therapien haben jedoch zum Teil erhebliche Nebenwirkungen. Zudem sind nicht alle Arzneimittel für eine Anwendung über Jahre geeignet. Jetzt bieten neue Medikamente ? so genannte ?Biologicals? - zusätzliche Behandlungsoptionen für schwer betroffene Patienten.

 

?Viele der bisher verfügbaren Präparate zur Behandlung von Schuppenflechte haben klare Limitierungen?, erklärt Professor Dr. med. Wolfram Sterry, Leiter der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Berliner Charité. ?So können nach einer dauerhaften Anwendung Leber- und Nierenschäden oder Hautkrebs auftreten.? Häufig seien die Therapien auch unbefriedigend in ihrer Wirksamkeit.

 

Wie umfangreiche internationale Patientenbefragungen zeigten, sind viele Schuppenflechte-Patienten unzufrieden mit ihrer derzeitigen Therapie. Beinahe jeder Patient empfindet sich durch die Krankheit in seiner Lebensqualität schwer beeinträchtigt. Mehr als ein Drittel der Betroffenen ist frustriert über den geringen Erfolg gängiger Behandlungen und wünscht sich eine nachhaltigere Therapie. ?Dabei verfügen wir in Deutschland schon über ein größeres Spektrum an Psoriasis-Medikamenten als in anderen Ländern?, weiß Professor Sterry. Beispielsweise Fumarsäure-Präparate sind bisher nur in Deutschland zur Behandlung der Schuppenflechte zugelassen. ?Trotzdem sind neue Behandlungsoptionen überaus hilfreich.?

 

Während sich bei einem gesunden Menschen die Haut innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen erneuert, vollzieht sich dieser Prozess bei Schuppenflechte-Patienten in nur vier Tagen. In dieser kurzen Zeit können sich die Hautzellen jedoch nicht ausreichend entwickeln: die schützende Hornschicht fehlt, stattdessen kommt es zu der für die Krankheit typischen Schuppenbildung. Warum die Hautzellen so übermäßig wachsen, ist noch nicht vollständig geklärt. Jedoch sind sich die Mediziner heute darin einig, dass bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems und entzündungsfördernde Botenstoffe am Ausbruch der Krankheit beteiligt sind. So ist bekannt, dass die Hautzellen den Befehl zum schnelleren Wachstum von den so genannten T-Zellen des Immunsystems erhalten.

 

?In den zurückliegenden Jahren sind große Fortschritte in der Psoriasis-Forschung gemacht worden. Zudem haben sich molekularbiologische Techniken stetig weiter entwickelt.? Das, so die Einschätzung von Professor Sterry, hat entscheidend zur Entwicklung der neuen Medikamente beigetragen. So erlaubt das Wissen über die der Krankheit zugrunde liegenden Prozesse nun einen gezielten Eingriff in ihren Verlauf.

 

Die neuen ?Biologicals? sind Eiweißmoleküle, die sich spezifisch an die beteiligten Immunzellen und Botenstoffe anheften. So blockieren beispielsweise die Präparate ?Alefacept? und ?Efalizumab? gezielt den Übereifer der T-Zellen. Andere ?Biologicals?, etwa ?Infliximab? und ?Etanercept?, machen den entzündungsfördernden Botenstoff TNF? unschädlich.

 

Derzeit sind etliche der neuartigen Medikamente zur Behandlung von schwerer Psoriasis in den USA und Europa bereits zugelassen. Weitere Präparate befinden sich in der klinischen Prüfung. Während einer internationalen Konsensus-Konferenz im vergangenen Jahr, plädierten zahlreiche namhafte Dermatologen dafür, die ?Biologicals? nicht nur als Ultima Ratio sondern bereits frühzeitig in die Therapie von Patienten mit schwerer Schuppenflechte einzubeziehen.

 

?Wie bei allen neuen Medikamenten müssen wir die Patienten im Laufe der Behandlung mit Biologicals natürlich genau beobachten?, ergänzt Professor Sterry. ?Nur so lassen sich Aussagen über die langfristige Wirksamkeit oder etwaige Nebenwirkungen treffen.? Die relativ hohen Behandlungskosten von 10.000 bis 15.000 Euro jährlich sieht er durchaus gerechtfertigt. ?Wenn sich durch die Behandlung mit Biologicals die Schwere der Erkrankung abmildern lässt, so erhöht das nicht nur die Lebensqualität der betroffenen Patienten. Sie bleiben dadurch auch länger arbeitsfähig, wodurch weniger Folgekosten entstehen.?

 

Erstellt am
06.03.2005
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Nachrichten