DermoDyne-Lichtimpfung als Therapieoption bei der atopischen Dermatitis

Stellungnahme der AG Photodermatologie in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (Vorsitzender: Prof. Dr. med. Percy Lehmann)

Die Phototherapie ist eine der ältesten Behandlungsmodalitäten der Medizin, die insbesondere in Dermatologie einen festen Stand z. B. bei der Behandlung der Psoriasis, aber auch der atopischen Dermatitis hat. Durch gut fundierte wissenschaftliche Studien hat sich die Phototherapie in den letzten 40 Jahren zu einer tragenden Säule der modernen Dermatologie entwickelt.

Zahlreiche Dermatosen können mit unterschiedlichen phototherapeutischen Verfahren erfolgreich behandelt werden und durch das bessere Verständnis von der Wirkung ultravioletter (UV)-Strahlen und sichtbarem Licht ist es heute möglich gezielter in den Pathomechanismus verschiedener Hauterkrankungen einzugreifen. Aufgrund von Studien, optimierter Therapiekontrolle und Kombinationsbehandlungen konnte die Effektivität der verschiedenartigen Phototherapiemodalitäten verbessert werden, so dass heutzutage eine wesentlich schnellere und längerfristige Kontrolle der meisten ansprechbaren Dermatosen möglich ist.

Da sichtbares Licht gegenüber der UV-Strahlung den großen Vorteil hat, keine mutagenen und karzinogen Eigenschaften zu haben und somit die bedrohlichste Nebenwirkung einer Phototherapie wegfällt, zeigt sich ein großes Interesse an der Entwicklung entsprechender Therapieoptionen.

Seit mehreren Jahren wird die sog. DermoDyne-Lichtimpfung in vielen Medien (u. a. Stern-TV) als hochwirksame Therapieoption bei der atopischen Dermatitis mit wenig Nebenwirkungen propagiert.

Im Gegensatz zur photodynamischen Therapie mit sichtbarem Licht steht allerdings der therapeutische Einsatz von sichtbarem Licht ohne Sensibilisator wissenschaftlich erst in den Anfängen. Hier hat in letzter Zeit vor allem die sog. „Lichtimpfung“ (DermoDyne-Therapie) Aufmerksamkeit erregt. Wissenschaftlicher Hintergrund dieser Therapieform ist die Erkenntnis, dass die Effektivität langwelliger UV-A-Strahlung (UV-A1) bei der Behandlung der atopischen Dermatitis wahrscheinlich auf die Induktion von Apoptose in Haut infiltrierenden T-Lymphozyten beruht. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Apoptose durch UV-A1-induzierten Singulettsauerstoff vermittelt wird. Daher wurde geschlossen, dass eine durch sichtbares Licht induzierte Singulettsauerstoffgenerierung (idealerweise im Bereich zwischen 400 und 405 nm, sog. Soretband) möglicherweise ähnliche Effekte wie UV-A1-Therapie haben könnte. Zurzeit ist nicht wissenschaftlich bestätigt, ob diese Therapieoption tatsächlich in der Lage ist, Singulettsauerstoff zu generieren und konsekutiv eine Apoptose der T-Lymphozyten zu induzieren. Die vorliegenden Studien sprechen dagegen.

Ähnlich existieren keinerlei wissenschaftliche Untersuchungen, die den Begriff „Lichtimpfung“ begründen würden, der eine dauerhafte Heilung suggeriert. Bislang existieren, im Gegensatz zur sehr starken Medienpräsenz, nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen zur klinischen Wirksamkeit dieser Therapieoption. Die erste Studie war eine Pilotstudie, bei der 10 Patienten mit Handekzemen untersucht wurden. In dieser einfachen blinden unizentrischen Studie wurde in einem Crossover-Design die Wirksamkeit bei der Indikation atopisches Handekzem als positiv gesehen. Weitere Untersuchungen, die diese ersten Beobachtungen bestätigen, fehlen bislang. Für sämtliche phototherapeutischen Untersuchungen sind Dosisfindungsstudien notwendig, Studien zur optimalen Frequenz der Lichttherapie, Studien zur Remissionsbehandlung u. a. Keiner dieser Parameter wurde mit der angewendeten Behandlung mit sichtbarem Licht ausreichend überprüft.

Über die Studie zum Handekzem muss weiterhin kritisch angemerkt werden, dass der Verbrauch an symptomatischen Medikamenten (wie Mometasoncreme einer Kortikosteroidcreme) sich nicht verringerte. Immunologische Parameter, die begleitend zur Studie bestimmt wurden, veränderten sich ebenso nicht. Eine Erklärung für die guten Erfolge kann deshalb aus dieser Studie nicht abgeleitet werden. Auch die Autoren selber betonen, dass dies eine Pilotstudie war, die einer wissenschaftlichen Bestätigung in größeren Patientenkollektiven bedarf. Mittlerweile sind Ganzkörpergeräte entwickelt worden für den Einsatz bei atopischen Ekzemen.

Es liegt nun eine erste Studie vor, die versucht kontrollierten Studien gerecht zu werden. An einer deutschen Universitätshautklinik wurden 36 Patienten mit atopischem Ekzem behandelt. Das eingesetzte Gerät emittiert überwiegend im Bereich von 400 bis 500 nm, also im blauen Bereich, so dass auch der Begriff Blaulicht Anwendung findet. UV-Anteile sind nicht vorhanden. Die Patienten litten alle an schwerem atopischem Ekzem und standen unter lokaler Steroidtherapie. Es wurde vorerst jedem Patienten ein Zyklus von 5 Bestrahlungen angeboten, anschließend durften topische Steroide angewandt werden. Die Patienten hatten dann die Möglichkeit bei einer Verschlechterung einen neuen Bestrahlungszyklus zu verlangen. 50 % erhielten mindestens 5 Zyklen innerhalb von 6 Monaten, 8 Patienten 7 Zyklen. Die meisten Patienten beobachteten eine Besserung nach 2 bis 3 Zyklen. Der EASI-Score war nach 3 Monaten um 41 %, nach 6 Monaten um 54 % reduziert. Der Verbrauch von Steroiden zeigte ebenfalls mit zunehmender Anzahl von Bestrahlungen eine abfallende Tendenz. Zusätzlich wurden bei einigen Patienten an den Tagen 0, 5 und 15 Biopsien entnommen. Im Gegensatz zur UV-Bestrahlung konnte nach der Blaulichtbestrahlung eine Depletion von Langerhanszellen und T-Lymphozyten auf der Haut nicht beobachtet werden.

Auch diese Studie birgt signifikante Schwächen. Zu kritisieren ist, dass keine randomisierte Untersuchung vorgenommen wurde und eine Vergleichsgruppe fehlt. Darüber hinaus ist das Design etwas verwirrend. Anstatt eines fixen Bestrahlungsplanes entscheiden die Patienten selbst, wann sie einen weiteren Bestrahlungszyklus für notwendig halten, ein recht ungewöhnliches Vorgehen. Darüber hinaus ist die gleichzeitige Gabe von topischen Steroiden außerordentlich problematisch, auch wenn der Verbrauch aufgezeichnet wurde. Insofern ist weiter zu bemängeln, dass 6 Jahre nach der Erstbeschreibung dieser Bestrahlungsmodalität noch immer keine evidenzbasierte Studie vorliegt, die eine objektive Evaluierung der Effizienz dieser Therapie zulässt. Auch die Autoren der zweiten Studie fordern diese randomisierte, plazebokontrollierte Studie mit einer höheren Anzahl an Patienten. Im Moment kann diese Therapieoption aufgrund wissenschaftlich fehlender Daten zur Therapie der atopischen Dermatitis nicht empfohlen werden. Im Gegensatz zu anderen Phototherapieoptionen, die gut validiert sind, wie die UV-B Schmalspektrumtherapie, die Bade-PUVA-Therapie, die Photosoletherapie übernehmen die Krankenkassen aufgrund o. g. Fakten die Therapiekosten nicht. Der Bundesausschuss für Gesundheit hat diese Therapieform nicht zugelassen, es liegen keine Anträge zur Bearbeitung im Moment vor.


Prof. Dr. med. Percy Lehmann
Leiter der AG Photodermatologie der DDG

 
Literatur
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Erstellt am
02.05.2012
Themen
Pressemittteilung, Berufspolitik