Neue Leitlinien zur Hautkrebsbehandlung

Deutsche Dermatologische Gesellschaft aktualisiert Behandlungsleitlinien von Basalzell- und Merkelzell-Karzinomen

Die DDG setzt ihre vorbildliche Qualitätsarbeit zum Nutzen der Patienten mit Hautkrebs fort: die Dermatologische Fachgesellschaft hat neue Leitlinien zur Behandlung verschiedener Hautkrebserkrankungen erarbeitet. Das betrifft zum einen das so genannte Basalzellkarzinom, zum anderen das Merkelzellkarzinom. Die neuen Behandlungsempfehlungen sind im "Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft" (JDDG) und im Internet (http://leitlinien.net) nachzulesen.

 

Das Basalzellkarzinom ist eine der häufigsten Tumorarten überhaupt. Es entsteht vorwiegend an sonnenexponierten Stellen, etwa am Kopf oder Hals, und tritt in der Regel erst ab dem 60 Lebensjahr auf. Nach Schätzungen gibt es jedes Jahr in Deutschland 100.000 Neuerkrankungen. "Die Heilungs­chancen beim Basalzellkarzinom sind im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen jedoch sehr hoch", betont Prof. Dr. med. Helmut Breuninger von der Universitäts-Hautklinik der Universität Tübingen. "Sie liegen heute bei über 95 Prozent", so Prof. Breuninger, der Hauptautor der neuen Leitlinie zur Behandlung des Basalzellkarzinoms ist. Zudem habe sich in den vergangenen Jahren das Behandlungsspektrum dieser Hautkrebserkrankung noch einmal erweitert.

 

So umfasst die neue Leitlinie neben der Standard-Methode, dem operativen Entfernen des Tumors, auch die Strahlen­therapie und lokal destruierende Verfahren wie die Kryo- oder Lasertherapie und reicht bis hin zur lokalen Behandlung mit Zytostatika. „Neu hinzu gekommen sind zur Heilung ober­flächlicher Karzinome die Photodynamische Therapie und der 'Imiquimod'", erklärt Prof. Breuninger.

 

Bei der photodynamischen Therapie wird ein so genannter "Photosensitizer" auf die betroffenen Hautareale aufgebracht. Dabei handelt es sich um eine chemische Substanz, die sich im Tumor anreichert und diesen besonders lichtempfindlich macht. Wird die behandelte Hautstelle anschließend kon­trolliert mit Laserlicht bestahlt, setzt eine phototoxische Reaktion in den Tumorzellen ein, die dadurch absterben.

 

Der Immunmodulator "Imiquimod" ist seit 2005 auf dem Markt. Seine Wirkung beruht darauf, dass er das Immunsystem der Haut aktiviert, das dann selbst die Tumorzellen bekämpft. Das geschieht, indem am Ort der Anwendung eine Entzündungs­reaktion hervorgerufen wird. Zusätzlich konnte nachgewiesen werden, dass der Wirkstoff in den Tumorzellen den "programmierten Zelltod" (Apoptose) auslöst. Der Vorteil dieser beiden neu in die Behandlungsleitlinie aufgenommenen Therapieverfahren ist, dass sie eine schmerz- und narbenfreie Behandlung ermöglichen.

 

Anders als das Basallzellkarzinom ist das so genannte Merkelzellkarzinom ein Hauttumor der äußerst selten auftritt. Pro einer Million Menschen werden nur ein bis drei Krankheitsfälle registriert. Auch Merkelzellkarzinome treten zumeist erst in höherem Lebensalter auf. Allerdings sind die Heilungs­chancen der Betroffenen ungleich schlechter als bei Patienten mit Basalzellkarzinom. Für rund ein Drittel der Erkrankten verläuft die Krankheit tödlich.

 

"Es gibt im Grunde nur eine Therapie beim Merkelzellkarzinom und das ist die Operation", stellt Prof. Dr. med. Axel Hauschild von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums in Kiel fest. Dabei wird der Tumor mit einem sehr großem Sicherheitsabstand entfernt. Dennoch erleiden etwa der Hälfte der operierten Patienten einen Rückfall der Krebserkrankung.

 

"Die entscheidende Neuerung in der Leitlinie zur Behandlung des Merkelzellkarzinoms betrifft die Nachbehandlung einer Operation", erklärt Prof. Hauschild, der die Neufassung der Leitlinie publiziert hat. So weisen einige Fälle darauf hin, dass eine prophylaktische radioaktive Bestrahlung der betroffenen Hautareale und des umgebenden Lymphsystems, die Rückfallquote der Erkrankung deutlich senken kann. "Auch wenn auf Grund der geringen Anzahl an Krankheitsfällen bisher keine statistisch gesicherten Studien für einen solchen Zusammenhang vorliegen, sollte auf die Bestrahlung nach einer Operation keinesfalls verzichtet werden", betont Prof. Hauschild.

Erstellt am
21.07.2006
Themen
Nachrichten