Kompetenz in der Behandlung von Hautkrebs

Dermatologen richten mit neuen "Hauttumorzentren" zentrale Anlaufstellen für Patienten mit Hauttumoren ein

Wird bei einem Patienten in Großbritannien oder den USA Hautkrebs festgestellt, so überweist ihn der Hautarzt an einen plastischen Chirurgen oder einen internistischen Onkologen. Nicht so in Deutschland. "Hier stellt der Dermatologe nicht nur die Diagnose, sondern behandelt den Hautkrebs auch", sagt Prof. Dr. med. Claus Garbe, Leiter der Sektion Dermatologische Onkologie der Universitäts-Hautklinik Tübingen. Diese Besonderheit hat in Deutschland und im deutschsprachigen Raum bereits eine lange Tradition. Mit der Einrichtung von zertifizierten Hauttumorzentren wollen die Dermatologen ab 2007 ihre dermatoonkologische Kompetenz weiter ausbauen.

 

Bereits heute sind in der Deutschen Krebsgesellschaft (Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie, ADO) über 300 Hautärzte organisiert. Doch während epitheliale Tumoren, wie etwa das Basalzellkarzinom oder das Plattenepithelkarzinom, in der Regel als Sache des Hautarztes angesehen werden, gilt die Behandlung des malignen Melanoms (schwarzer Hautkrebs) in weit fortgeschrittenen metastasierten Stadien auch als interdisziplinäre Aufgabe: In diesen fortgeschrittenen Stadien sind neben Dermatologen auch Chirurgen, Strahlentherapeuten und internistische Onkologen daran beteiligt. Diesen interdisziplinären Behandlungsansatz künftig noch besser zu organisieren, das ist das Ziel, mit dem derzeit bundesweit so genannte interdisziplinäre Hauttumorzentren eingerichtet werden.

 

Bereits 1996 erhielt die ADO von der Deutschen Krebsgesellschaft den Auftrag, Leitlinien zur Behandlung verschiedener Hautkrebsarten zu erstellen. "Mittlerweile liegen für die sieben wichtigsten Tumorarten, die die Haut des Menschen betreffen, entsprechende Behandlungsempfehlungen", so Prof. Garbe. Dies umfasse das Basalzellkarzinom, das Plattenepithelkarzinom, das maligne Melanom und das Merkelzellkarzinom. Außerdem hat die ADO Leitlinien zur Behandlung des Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP), des Kaposi-Sarkoms und der kutanen Lypmphome vorgelegt. "Alle Leitlinien haben wir in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Expertengremium erstellt", erklärt Prof. Garbe, der die Abstimmung innerhalb der Arbeitsgruppen koordinierte.

 

"Nun kommt es darauf an, diese theoretischen Vorgaben in die klinische Praxis zu implementieren", sagt Prof. Garbe. Diese Aufgabe sollen die neuen Hauttumorzentren übernehmen, die ab 2007 durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert werden. "Bereits jetzt haben rund 20 Hautkliniken aus ganz Deutschland ihr Interesse signalisiert, sich als Hauttumorzentrum zertifizieren zu lassen."

 

Die neuen Zentren sollen alle an der Versorgung von Patienten mit Hauttumoren Beteiligten systematisch vernetzen. Dadurch werden sie zu zentralen Anlaufstellen, in denen Diagnostik und Behandlung aber auch Vorbeugung und Nachbetreuung von Hautkrebs stattfindet. "Ein zentrales Element wird die interdisziplinäre Hauttumorkonferenz sein", erläutert Prof. Garbe. In regelmäßigen Abständen wird hier die Behandlung von Patienten mit komplizierten Krankheitsverläufen, insbesondere bei metastasierten Hauttumoren, besprochen und es werden Entscheidungen zur Behandlung gefällt.

 

"Die Leitung der Hauttumorkonferenz und Hauttumorzentren wird in der Regel bei den Dermatologen liegen", so Prof. Garbe. Jedoch sind auch Radiologen, die die Befunde bildgebender Untersuchungen demonstrieren, Strahlentherapeuten und internistische Onkologen regelmäßig daran beteiligt. "Von Fall zu Fall werden auch chirurgische Disziplinen hinzugezogen."

 

Die Zertifizierung der Hauttumorzentren erfolgt in Anlehnung an das Verfahren bei Brustzentren. "Dafür wurde eigens ein ,Erhebungsbogen Hauttumorzentren' erarbeitet, in dem das Anforderungsprofil zusammengefasst ist", weiß Prof. Garbe. Voraussetzung für die Zertifizierung ist das Vorhandensein oder die Einführung eines qualifizierten Qualitätsmanagementsystems, etwa nach der ISO 9001 oder der KTQ-Norm. Sind alle Auflagen erfüllt, erfolgt die Zertifizierung durch das Institut OnkoZERT im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft.

 

"Mit der Einrichtung der Hauttumorzentren wollen wir neue Qualitätsstandards in der dermatologischen Onkologie etablieren", resümiert Prof. Garbe. Gleichzeitig könne damit auch langfristig die Rolle der Dermatologie in der Behandlung von Hauttumoren gesichert werden.

 

Erstellt am
23.12.2006
Themen
Nachrichten