Harnstoff wieder auf Kassenrezept?

Gesetzliche Krankenkassen müssen Ekzempatienten Harnstoffpräparate voraussichtlich wieder erstatten

In der Auseinandersetzung um die Erstattungsfähigkeit rezeptfreier Medikamente können Patienten mit chronischen Ekzemen zunächst aufatmen. Einer Entscheidung des Kölner Sozialgerichts zufolge müssen ihnen die gesetzlichen Krankenkassen künftig harnstoffhaltige Präparate wieder erstatten. Seit der Gesundheitsreform von 2003 waren diese nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gestrichen. Seither hatten sich die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und andere Fachverbände um eine Aufnahme von Harnstoffpräparaten in die Ausnahmenliste der "OTC Präparate" (over the counter = über den Ladentisch) bemüht.

 

"Das Urteil des Sozialgerichts Köln ist ein wichtiger Etappensieg, die Erstattungsfähigkeit von Harnstoff wiederzuerlangen", schätzt Prof. Dr. med. Harald Gollnick den Richterspruch ein. Damit sei die außerordentlich hohe finanzielle Belastung zumindest von Patienten mit Ekzemen vorerst beendet, so der Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft weiter. Deutschlandweit sind jedoch mehr als drei Millionen Patienten auf Harnstoff zur Therapie ihrer Hauterkrankung, wie z. B. Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis oder Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis) angewiesen. Die Kosten dafür können sich in schweren Krankheitsfällen auf vierstellige Eurobeträge jährlich belaufen.

 

Obwohl es unter Dermatologen unstrittig ist, dass Harnstoff-Präparate in der Basisbehandlung dieser chronischen Hautkrankheiten den Therapiestandard darstellen, lehnte der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (GBA) eine allgemeine Erstattungsfähigkeit dieser Präparate durch die gesetzlichen Krankenkassen bisher stets ab. Alle Bemühungen der Hautärzte, ihren wissenschaftlichen Sachverstand einzubringen, blieben erfolglos.

 

Der Kölner Richterspruch lässt Patienten und Ärzte Hoffnung schöpfen. Abzuwarten bleibt aber, ob der GBA in die Berufung geht - dann könnte sich die endgültige Klärung auf dem Rechtsweg noch Jahre hinziehen.

 

Erstellt am
23.12.2006
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Nachrichten