Gefährliche und unwirksame Methoden

Deutsche Dermatologische Gesellschaft schließt sich Warnung vor "Bioresonanz" und "Elektroakupunktur" an

Vor Angeboten zu "Bioresonanz" oder "Elektroakupunktur", die es vor allem im Internet zur Behandlung allergischer Erkrankungen gibt, warnt die Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI). Dabei handele es sich nicht um anerkannte medizinische Verfahren. Vielmehr seien diese "Heilmethoden" unwirksam, überflüssig und gefährlich. Dieser Warnung schließt sich die Deutsche Dermatologische Gesellschaft mit Nachdruck an.

 

Grundlage der pseudowissenschaftlichen Methode der "Bioresonanz" ist die Behauptung, dass der Mensch und die Umweltallergene ein ultrafeines Schwingungsspektrum ausstrahlen. Diese Schwingungen seien mit konventionellen Messmethoden nicht nachweisbar. Je nachdem, ob sie zwischen dem Patienten und der zu testenden Substanz in "Resonanz" oder "Dissonanz" auftreten, bewirken sie eine "Verträglichkeit" oder "Unverträglichkeit" des Allergens für den Patienten. Wird eine "Unverträglichkeit" festgestellt, so erfolgt in der Regel eine "Allergietherapie" mit dem Bioresonanzgerät. Dazu gibt das Gerät eine so genannte Invertschwingung ab, die die störende Originalschwingung "löscht" und den Patienten so angeblich von seiner Allergie befreit.

 

Nach Ansicht der schweizerischen wie der deutschen Allergologen fehlt jedoch jeder wissenschaftliche Nachweis zur Wirksamkeit der "Bioresonanz-Therapie". Überprüfungen der Methode durch namhafte Wissenschaftler, etwa durch den Plasmaphysiker Prof. Dr. Ferdinand Cap, zeigten, dass die Grundlagen der Bioresonanz falsch sind. Statt der Schwingungen zwischen Patient und Allergen, messen die Bioresonanzgeräte vor allem Artefakte: Störgeräusche von elektrischen Geräten, Telefon-, Radio- und Fernsehsignale. Zwangsläufig seien die so gestellten Diagnosen reine Zufallsprodukte. Auch zur Therapie allergischer Erkrankungen ist die Bioresonanz absolut ungeeignet, wie kontrollierte klinische Studien ergeben haben.

 

Ein ebenso vernichtendes Urteil fällt die SDAI zur so genannten "Elektroakupunktur". Diese paramedizinischen Variante der klassischen Akupunktur misst an bestimmten Akupunkturpunkten ein elektrisches Potenzial gegenüber einer Bezugselektrode. Zur Allergietestung wird zwischen die Elektrode und das Messgerät eine Ampulle mit dem zu testenden Allergen eingebracht. Aus den Änderungen des Messwertes durch das Zwischenschalten des Allergens soll ablesbar sein, ob der Patient gegen den jeweiligen Stoff allergisch ist.

 

Bereits seit Jahren zeigen umfangreiche Untersuchungen, dass diese Methode ausschließlich Artefakte misst. So konnte in einer Studie, die im renommierten British Medical Journal publiziert wurde, gezeigt werden, dass die "elektrodermale Allergietestung" nicht zwischen Patienten mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) und Hautgesunden unterscheiden kann. Auch stimmten die Ergebnisse der "Elektroakupunktur" nicht mit denen des in der Allergologie anerkannten und wissenschaftlich geprüften Prick-Tests überein.

 

Deshalb ist nach Einschätzung der in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft organisierten Hautärzte vor den unbrauchbaren diagnostischen Verfahren der "Bioresonanz" und "Elektroakupunktur" strikt zu warnen. Schließlich besteht die Gefahr, dass derartige Methoden bei Patienten mit lebensbedrohlichen Allergien, wie z. B. Asthma, wirksame Behandlungen verhindern.

 

Erstellt am
21.07.2006
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Nachrichten