Die Andrologie als Teil der Dermatologie

Die Andrologie (Männerheilkunde) ist in Deutschland als Spezialdisziplin innerhalb der Dermatologie entstanden. Bis heute erhält die Andrologie wesentliche Impulse aus dem Fach Dermatologie.
Noch vor 40 Jahren hatte eine Vielzahl der Dermatologischen Universitätskliniken eigene andrologische Abteilungen oder Spezialambulanzen. Die internationale andrologische Zeitschrift ANDROLOGIA wurde 1969 durch einen deutschen Dermatologen (Prof. Dr. med. Carl Schirren) gegründet. 

1975 wurde eine eigenständige wissenschaftliche Fachgesellschaft zu Männerheilkunde gegründet, die Deutsche Gesellschaft für Andrologie. Sie hat über 600 Mitglieder, darunter 40 Dermatologinnen und Dermatologen.
In der Musterweiterbildungsordnung für das Gebiet „Haut- und Geschlechtskrankheiten“ werden als kognitive, Methoden- oder Behandlungskompetenzen folgende Inhalte aufgeführt:

  • Endokrine Störungen der Haut und Hautanhangsgebilde sowie systemische Endokrinopathien mit Manifestation an der Haut und den Hautadnexen
  • Störung der Sexualität, Störung der Geschlechtsidentität und Störung infolge sexueller Traumatisierungen
  • Sexualanamnese
  • Spermiogrammanalyse
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit bei endokrinen Störungen sowie Fertilitätsstörungen und drohender Beeinträchtigung der Fertilität, z. B. vor onkologischer Therapie

Seit Einführung der Zusatzweiterbildung Andrologie steht der Erwerb dieser Qualifikation auch Fachärztinnen und Fachärzten für Dermatologie offen. Damit bereichert die Andrologie das breite Angebot der möglichen Spezialisierungen innerhalb der Dermatologie. Sie ist zukunftsfähig durch die Notwendigkeit andrologischer Beratungen im Rahmen des Kinderwunsches und der onkologischen Therapien sowie steigender männlicher Nachfrage nach spezialisierter Beratung.

Relevanz andrologischer Expertise
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass andrologisch/sexualmedizinische Grundkenntnisse auch in der Dermatologie an Bedeutung gewinnen. Als Beispiele seien zwei Aspekte genannt:

  • Auswirkungen von Dermatosen auf die Sexualität der betroffenen Patienten
  • Wechselwirkungen immunsuppressiver oder moderner Therapien in der Dermatologie auf den Hormonhaushalt und/oder die Fertilität von Patienten

Ziele des Arbeitskreises Andrologie 
Aufgrund der langen Historie des Arbeitskreises Andrologie ist es sein oberstes Ziel, das Verständnis für die Bedeutung dieser Spezialdisziplin innerhalb der Deutschen Dermatologie zu erhalten. Hinzu kommt, dass der Blick „über eigene Fachgrenzen hinweg“ überaus bereichernd ist. 
Durch die Sitzungen des Arbeitskreises auf den Jahrestagungen der DDG und weitere Fortbildungsveranstaltungen unter Mitwirkung von Mitgliedern des Arbeitskreises wird sichergestellt, dass die Vermittlung andrologischer Inhalte im Sinne der Musterweiterbildungsordnung an Kolleginnen und Kollegen in der Facharztausbildung erfolgt. Zudem greift der Arbeitskreis aktuelle Themen auf, die auch für Dermatologinnen und Dermatologen von Interesse sind.
Mitglieder des Arbeitskreises sind in den letzten Jahren und auch aktuell bei der Erstellung einer Vielzahl von AWMF S2- und S3-Leitlinien eingebunden.

Sichtbarkeit von Andrologen außerhalb der Dermatologie
Mitglieder des Arbeitskreises sind seit Jahrzehnten in verschiedenen fachverwandten Gesellschaften aktiv, werden dort aufgrund ihrer Zuverlässigkeit und Bereitschaft zum Engagement geschätzt und tragen somit auch zum guten Ruf der Dermatologie über die Fachgrenzen hinaus bei.
So sind Mitglieder des Arbeitskreises seit 40 Jahren zum Teil als Präsidenten oder Vorsitzende in den Vorständen der Deutschen Gesellschaft für Andrologie, der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und -medizin sowie der Akademie für Sexualmedizin (Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, -therapie und -wissenschaft) sowie internationalen Gesellschaften vertreten und haben sich immer wieder als Präsidenten z.T. internationaler Kongresse exponiert.

Mitglieder des Arbeitskreises wurden zudem mit Ehrenmitgliedschaften (z. B. Prof. Dr. med. Wolf-Bernhard Schill) für ihre Leistungen hervorgehoben.
Darüber hinaus sind andrologisch tätige Dermatologen durch ihre Einbindung in DFG-Projekte, DFG-Graduiertenkollegs, Gutachtertätigkeiten und andere Forschungsschwerpunkte sichtbar. 
Dermatologische Universitätskliniken sind an Ausbildungszentren der European Academy of Andrology (EAA) beteiligt und stellen auf universitärer Ebene durch Bildung von Reproduktionsmedizinischen Zentren mit Gynäkologie und Urologie die klinische Versorgung kinderloser Ehepaare sicher.
Im niedergelassenen Bereich tragen Mitglieder des Arbeitskreises durch die Kooperation mit Kinderwunschzentren zur andrologischen Versorgung betroffener Patientinnen und Patienten bei.
Eine Mitarbeit interessierter Kolleginnen und Kollegen wird sehr begrüßt.

Steckbrief: Arbeitskreis Andrologie (AKA) 

Gegründet: 1988, 1991 Erweiterung zu einem gesamtdeutschen Arbeitskreis 
Vorsitzender: Prof. Dr. med. Frank-Michael Köhn

Zeitschrift: Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie https://www.kup.at/journals/reproduktionsmedizin/index.html

Veranstaltungen: Regelmäßige Sitzungen auf den Jahrestagungen der DDG; Regelmäßige Symposien auf den Kongressen des Dachverbandes Reproduktionsbiologie – und medizin
Sonstige Aktivitäten: Organisation von Spermiogrammworkshops

Veröffentlichungen: 
Mitglieder des Arbeitskreises publizieren regelmäßig Fortbildungsartikel in allen dermatologischen Fachzeitschriften.
Beteiligung an S2- und S3-Leitlinien der AWMF
Erstellung eines Weißbuches Andrologie in der Dermatologie (2014) ,

Stand: Februar 2022