"Zur Impfung gehen - bitte jetzt!"
DGfI-Stellungnahme zur Impfung gegen SARS-CoV-2

Alle zugelassenen Impfstoffe sind sicher und schützen effektiv vor einer schweren COVID-19-Erkrankung. Um die wichtigen Impfziele möglichst schnell zu erreichen, und angesichts der steigenden Frequenz der mutierten SARS-CoV-2 Varianten ist dringend zu raten, alle verfügbaren Impftermine wahrzunehmen, unabhängig vom vorgesehenen Impfstoff!
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STELLUNGNAHME:
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) empfiehlt die Impfung gegen SARS-CoV-2 auch bei Immunsupprimierten oder Patientinnen und Patienten unter immunmodulierender Therapie. Vor der Impfung muss individuell entschieden werden, ob und ggf. wie die laufende immunsuppressive Therapie angepasst werden kann, um den besten Impferfolg zu gewährleisten.

Derzeit sind drei Präparate in der Europäischen Union zur Impfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zugelassen:

mRNA-Impfstoffe: Comirnaty™ (BioNTech/Pfizer) ist ab dem 16. Lebensjahr zugelassen, während Covid-19 Vaccine Moderna™ bei Erwachsenen ab dem 18. Lebensjahr eingesetzt werden kann. Beides sind mRNA-Impfstoffe und kodieren das Spike-Protein von SARS-CoV-2, auf das eine Immunreaktion generiert wird, die zu einem Immungedächtnis führen soll und mit der Bestimmung spezifischer Antikörper gemessen werden kann. Diese mRNA-Vakzinen werden im Abstand von 3-4 bzw. 6 Wochen zweimalig verabreicht.

Vektor-basierter Impfstoff: Als dritter Impfstoff wurde COVID-19 Vaccine Astra-Zeneca™ zugelassen. Dieser nutzt einen Adenovirus-Vektor, um die genetische Information des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 in einige Körperzellen einzuschleusen. Obwohl die Zulassung durch die EMA ab dem 18. Lebensjahr ohne Alterseinschränkung erfolgte, empfiehlt die STIKO diesen nur für Personen zwischen 18 und 64 Jahren, da für ältere Menschen keine ausreichenden Daten vorliegen. Der Abstand zwischen Erst- und Booster-Impfung beträgt bei diesem Impfstoff 9-12 Wochen. 

Die STIKO empfiehlt, beide Corona-Impfungen mit dem identischen Präparat durchzuführen.

Alle zugelassenen Corona-Impfstoffe enthalten kein infektiöses Virus und können in Analogie zu Totimpfstoffen bei Immunsupprimierten bzw. Patienten unter immunsuppressiver oder immunmodulierender Therapie verimpft werden. Bezüglich Immunogenität, Sicherheit und Wirksamkeit bei Immunsupprimierten wurde keiner der Impfstoffe untersucht. Zu erwarten ist, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes in Abhängigkeit von Art und Ausmaß der Immunsuppression bzw. -defizienz eingeschränkt sein kann. Hingegen ist laut RKI in Analogie zu Totimpfstoffen nicht von einer reduzierten Sicherheit bei immunsupprimierten Patienten auszugehen.

Keines der drei empfohlenen Präparate erwähnt Immunsuppression oder immunmodulierende Therapie als Kontraindikation, jedoch liegen aus den Zulassungsstudien keine Daten zu diesen Patientengruppen vor. 

Analog zu den Empfehlungen der DDG zur Durchführung immunsupprimierender oder immunmodulierender Therapien währen der Covid-19-Pandemie, sollten auch für die Impfung diese Therapien weitergeführt werden. Angestrebt wird die möglichst geringste Immunsuppression zum Zeitpunkt der Impfung. In einem Anwendungshinweis, der im Bundesgesundheitsblatt 2019 mitgeteilt wurde, wird empfohlen, bei einer anti-TNF-Therapie, einer anti-IL-17 oder einer anti-IL-23 Therapie die Totimpfstoffgabe in die Mitte der Injektionsintervalle zu legen. Unter Therapie mit Azathioprin erreichte ein Großteil der Geimpften einen protektiven Serumantikörperspiegel gegen Pneumokokken und Tetanus, auch unter Methotrexat-Therapie kommt es in niedriger Dosierung zu keiner Einschränkung des Impfschutzes. Eine Ausnahme könnte eine B-Zell-Depletion mit dem monoklonalen anti-CD20-Antikörper Rituximab darstellen, der zur Therapie des Pemphigus und weiterer Autoimmunerkrankungen zugelassen ist. Sofern medizinisch machbar, sollte Rituximab pausiert werden und eine Therapieumstellung erwogen werden, um eine verbesserte Impfantwort zu ermöglichen. Unter Rituximab führten Totimpfstoffe gegen Pneumokokken oder Influenza nur zu einer reduzierten Immunantwort.

Zusammenfassend wird daher auch bei Immunsupprimierten oder Patienten unter immunmodulierender Therapie eine Impfung gegen SARS-CoV-2 klar empfohlen. Vor der Impfung muss individuell entschieden werden, ob überhaupt und ggf. wie die laufende immunsuppressive Therapie angepasst werden kann, um den besten Impferfolg zu gewährleisten.

Quellen:
Crnkic Kapetanovic M, Saxne T et al.: Rituximab and abatacept but not tocilizumab impair antibody response to pneumococcal conjugate vaccine in patients with rheumatoid arthritis. Arthritis Res Ther 2013, 15:R171
Oren S, Mandelboim M  et al.: Vaccination against influenza in patients with rheumatoid arthritis: the effect of rituximab on the humoral response. Ann Rheum Dis 2008, 67:937-41
Wagner N, Assmus F et al.: Impfen bei Immundefizienz. Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. Bundesgesundheitsblatt 2019, 62:494–515
Epidemiologisches Bulletin, 5/21. Robert-Koch-Institut, 04. Februar 2021

Stand: 07.02.2021

Medienberichte der letzten Wochen zum Thema allergische Reaktionen kurz nach der Impfung mit mRNA-COVID-19-Impfstoffen haben auch in Deutschland viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und teilweise Missverständnisse provoziert. Viele Patientinnen und Patienten sind verunsichert. Eine Gruppe von medizinischen Organisationen unter Federführung der DGAKI hat daher zusammen mit uns, verschiedenen weiteren Organisationen und auch der Patientenvertretung, dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB), ein Informationsblatt zum Thema „Allergie und COVID-19-Impfung“ erstellt. 

Für Menschen mit Erkrankungen aus dem allergisch/atopischen Formenkreis oder mit Kontaktallergien gibt es keine Hinweise für ein allgemein erhöhtes Risiko im Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung. Zu diesen Krankheiten gehören:
Atopisches Ekzem (Neurodermitis), Urtikaria (Nesselsucht)/Angioödeme, Rhinokonjunktivitis allergica (Heuschnupfen), Asthma bronchiale, Nasenpolypen, Nahrungsmittelallergie, Insektengiftallergie, Schmerzmittelunverträglichkeit, Antibiotikaallergie, Kontaktallergie (z.B. Nickel-, Duftstoff- oder Konservierungsmittelallergie).

Wie im Flyer ausgeführt, geht es nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse um ganz spezifische Reaktionen. Nicht geimpft werden dürfen Patienten mit einer bekannten früheren schweren allergischen Reaktion auf Inhaltsstoffe des Impfstoffsoder auf die erste COVID-19-Impfung. Unter anderem können folgende Inhaltssto¬ffe eine Rolle spielen: Polyethylenglykol (=Macrogol) und Tromethamin/Trometamol.
Im Faltblatt werden zudem wichtige Informationen zum Thema „COVID-19-Impfung und Begleittherapien“ zusammengefasst.

Faltblatt: „Allergie und COVID-19-Impfung“

Weitere Informationen:
Die interdisziplinäre Leitliniengruppe „Management der Anaphylaxie“ hat Empfehlungen für eine Risikoeinschätzung zur COVID-19 Impfung für Allergiepatienten erstellt. Diese findet sich unter MMW - Fortschritte der Medizin, Ausgabe 1/2021.