Aber: Eine Impfpflicht gibt es schon und Arbeitgeber dürfen bereits den Impfstatus ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prüfen

Professor Peter Elsner rät Dermatologinnen und Dermatologen dazu, den Impfstatus ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu prüfen und diese gegebenenfalls nicht patientennah einzusetzen.
 
Das Thema Impfpflicht im Gesundheitswesen bewegt die Gemüter. Sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit vulnerablen Personen zu tun haben, zur Corona-Impfung gezwungen werden? Reichen das Berufsethos und die berufsbezogene Verantwortung nicht aus, dass sich Menschen aus Gesundheitsberufen zum Schutz der ihnen Anvertrauten freiwillig impfen lassen?
„Einen Impfpflicht gibt es bereits – viele haben es nur nicht gemerkt“, sagt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Universitätshautklinik Jena und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). (1)
Geht es um eine Corona-Impfpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen winkt die Politik ab. Auch Repräsentanten der Ärzteschaft weisen eine Impfpflicht für Beschäftigte des Gesundheitswesens energisch zurück. In Frankreich geht man andere Wege: Ungeimpftes Personal darf nicht mehr patientennah arbeiten und wird auch nicht mehr bezahlt.
Für Professor Elsner ist die Haltung der deutschen Politik verwunderlich. Laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) – § 23a – darf ein Arbeitgeber personenbezogene Daten eines Beschäftigten über dessen Impf-und Serostatus erheben, verarbeiten oder nutzen, soweit es zur Erfüllung von Verpflichtungen aus § 23 Absatz 3 in Bezug auf Krankheiten, die durch Schutzimpfung verhütet werden können, erforderlich ist‘. (2) „In der Gesetzesbegründung steht ausdrücklich, dass der Arbeitgeber eine ärztliche Überprüfung eines ausreichenden Immunschutzes verlangen darf. Wird der ausreichende Immunschutz nicht nachgewiesen, können Konsequenzen folgen“, erklärt Elsner.
Das heißt, ein Arbeitgeber darf davon absehen, jemanden einzustellen, der oder die nicht gegen COVID-19 geimpft ist. Und bei denen, die nicht über einen Impfschutz verfügen, kann der Arbeitgeber entscheiden, diese Personen nur in patientenfernen Tätigkeiten einzusetzen. Wenn es diese nicht gibt, kann auch eine betriebsbedingte Kündigung gerechtfertigt sein.

Auch aus juristischer Sicht sei jede Ärztin und jeder Arzt gut beraten, den Impfstatus der Mitarbeitenden zu prüfen. Denn wenn sich ein Patient oder eine Patientin in der Arztpraxis nachweisbar mit dem Corona-Virus infiziert und einen Schaden davonträgt, kann das haftungsrechtliche Konsequenzen für den Praxisinhaber oder die Praxisinhaberin haben.

Die Empfehlung ist eindeutig: Der Arbeitgeber darf nicht nur den Impfstatus der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prüfen, er sollte es – allein aus rechtlichen Gründen – auch, um dann ungeimpfte Mitarbeitende nicht patientennah einzusetzen.
 
Prof. Peter Elsner ist Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Quellen: 
(1) Elsner P. Moment mal: Impfpflicht im Gesundheitswesen? Gibt es bereits – viele haben es nur nicht gemerkt. Der Deutsche Dermatologe 2021; 69 (9)
(2) Infektionsschutzgesetz

Stand: September 2021

 

In der Ästhetischen Medizin setzen Ärztinnen und Ärzte seit langer Zeit Hyaluronsäure-Filler ein. Diese werden in die Haut injiziert und füllen sie von unten auf. Durch dieses „Anheben“ werden Falten geglättet. Hyaluronsäure-Filler gelten im Allgemeinen als risikoarm und gut verträglich. In seltenen Fällen kann es jedoch – direkt nach der Behandlung oder auch Monate später – zu unerwünschten Reaktionen im Gewebe kommen. Zu solchen Effekten ist es auch bei Unterspritzungen in zeitlicher Nähe zu Corona-Impfungen (mit mRNA-Impfstoff) gekommen – so zeigen es aktuelle Fallsammlungen. Es handelt sich dabei um verzögerte Entzündungsreaktionen, die bei der/dem Behandelten zu Schwellungen (Ödemen) an der unterspritzten Stelle führten. Diese Ereignisse sind selten. Wenn jedoch ein Termin für eine Impfung gegen das Corona-Virus ansteht, sollte auf eine Filler-Behandlung in zeitlicher Nähe besser verzichtet werden.  

Eine Fallsammlung berichtet über vier Patientinnen mit Angioödem-artigen wochenlang persistierenden und infiltrierten Schwellungen an Unterlidern, Wangen, Lippen und nasolabial, die erst mehrere Wochen/respektive Monate nach Unterspritzungen mit Hyaluronsäure-Fillern aufgetreten waren. Aus dieser Fallsammlung hatte die erste Patientin eine COVID-19 Infektion erlitten, die zweite war in einer der Phase III Zulassungsstudien des COVID-Impfstoffes mRNA-1273 eingeschlossen, die dritte reagierte nach der Erstimpfung mit dem mRNA-1273-Impfstoff und die vierte Patientin reagierte nach der zweiten COVID-Impfung mit BNT162b2. 

Reaktionen können mit ärztlicher Hilfe behoben werden
Aufwendige Maßnahmen mit Hyaluronidase-Unterspritzungen, topischen und systemischen Kortikosteroiden, Allopurinol, 5-Fluorouracilunterspritzungen, topischen Calcineurininhibitoren mussten eingesetzt werden, um das entstellende Bild an Lippen und Unterlidern zurückzudrängen. 

Die Pathophysiologie erklärt man sich über die Blockade des ACE-2-Rezeptors. Ein proinflammatorischer Zustand ist die Folge und eine regionale Th1 Aufregulation und Zunahme von CD8+T-Zellen, die eine Granulombildung fördern. 

Konsequenz für die Praxis 
Bis zu Hyaluronsäure-Fillern und COVID-19-Infektion bzw. -Impfung mehr Daten vorliegen, sollte dieses Angebot für Patient*innen pausieren. Es gibt Autor*innen, die einen zeitlichen Abstand von sechs Wochen zur Filler-Injektion empfehlen – aber dazu liegen noch keine Studiendaten vor.

Literatur:
Munavalli GG, Guthridge R, Knutsen-Larson S, et al. COVID-19/SARS-CoV_2 virus spike protein-related delayed inflammatory reation to hyaluronic acid derma fillers: a challenging clinical conundrum in diagnosis and treatment. Arch Derm Res 2/2021, doi.org/10.1007/s0043-021-02190-6.
Conrad D, Raulin C. Covid-19-Impfung – (k)ein Risiko für Patienten mit dermalen Fillern? Derm 2021, 27: 29-33.
Joachim P. „Ich spritze dieses Jahr nicht". Dtsch Dermatolog. 2021; 69(5): 418–421. Published online 2021 May 21. German. doi: 10.1007/s15011-021-4593-3.

von Professor Dr. med Christiane Bayerl
Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie
Hauttumorzentrum Wiesbaden, Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken

Stand: Juni 2021
 

Das European Dermatology Forum (EDF) hat als Ergänzung zur aktuellen europäischen Leitlinien (EuroGuiDerm) zur systemischen Behandlung von Psoriasis vulgaris ein Statement zum Thema "Corona-Impfung für Menschen" mit Psoriasis herausgegeben. 

Zum Download des Kapitels 
Stand: April 2021

STELLUNGNAHME: 
Impfungen gegen SARS-CoV-2: Aktualisierte Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) empfiehlt die Impfung gegen SARS-CoV-2 auch bei Immunsupprimierten oder Patientinnen und Patienten unter immunmodulierender Therapie. Vor der Impfung muss individuell entschieden werden, ob und ggf. wie die laufende immunsuppressive Therapie angepasst werden kann, um den besten Impferfolg zu gewährleisten.

Derzeit sind vier Präparate in der Europäischen Union zur Impfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 zugelassen:

mRNA-Impfstoffe: Comirnaty™ (BioNTech/Pfizer) ist ab dem 16. Lebensjahr zugelassen, während Covid-19 Vaccine Moderna™ bei Erwachsenen ab dem 18. Lebensjahr eingesetzt werden kann. Beides sind mRNA-Impfstoffe und kodieren das Spike-Protein von SARS-CoV-2, auf das eine Immunreaktion generiert wird, die zu einem Immungedächtnis führen soll. Die zweite Gabe der mRNA-Impfstoffe soll nach 6 Wochen erfolgen. Derzeit evaluiert die EMA für Comirnaty™ die Zulassung für Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr.

Vektor-basierte Impfstoffe: Als dritter Impfstoff wurde Vaxcevria (COVID-19 Vaccine Astra-Zeneca™) zugelassen. Dieser nutzt einen Adenovirus-Vektor, um die genetische Information des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 in einige Körperzellen einzuschleusen. Obwohl die Zulassung durch die EMA ab dem 18. Lebensjahr ohne Alterseinschränkung erfolgte, empfiehlt die STIKO diesen nur Personen älter als 60 Jahre. Der Einsatz der Vakzine unterhalb der Altersgrenze bleibt nach ärztlichem Ermessen und individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung möglich. Die zweite Gabe erfolgt nach 12 Wochen.
Die STIKO empfiehlt, beide Corona-Impfungen mit dem identischen Präparat durchzuführen. Eine Ausnahme gilt für Personen, die jünger als 60 Jahre sind und die erste Impfung mit Vaxcevria (COVID-19 Vaccine Astra-Zeneca™) erhalten haben. Diesen Personen wird empfohlen, einen mRNA-Impfstoff 12 Wochen nach der Erstimpfung zu erhalten.

Ein weiterer zugelassener Vektor-basierter Impfstoff ist COVID-19 Vaccine Janssen (Johnson & Johnson™). Dieser Impfstoff muss nur einmal verimpft werden und ist für alle Altersgruppen ab dem 18. Lebensjahr laut STIKO empfohlen.

Alle zugelassenen Corona-Impfstoffe enthalten kein infektiöses Virus und können in Analogie zu Totimpfstoffen bei Immunsupprimierten bzw. Patienten unter immunsuppressiver oder immunmodulierender Therapie verimpft werden. Bezüglich Immunogenität, Sicherheit und Wirksamkeit bei Immunsupprimierten wurde keiner der Impfstoffe untersucht. Zu erwarten ist, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes in Abhängigkeit von Art und Ausmaß der Immunsuppression bzw. -defizienz eingeschränkt sein kann. Hingegen ist laut Robert Koch-Institut (RKI) in Analogie zu Totimpfstoffen nicht von einer reduzierten Sicherheit bei immunsupprimierten Patienten auszugehen.

Keines der drei empfohlenen Präparate erwähnt Immunsuppression oder immunmodulierende Therapie als Kontraindikation, jedoch liegen aus den Zulassungsstudien keine Daten zu diesen Patientengruppen vor. 

Analog zu den Empfehlungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zur Durchführung immunsupprimierender oder immunmodulierender Therapien währen der Covid-19-Pandemie, sollten auch für die Impfung diese Therapien weitergeführt werden. Angestrebt wird die möglichst geringste Immunsuppression zum Zeitpunkt der Impfung. In einem Anwendungshinweis, der im Bundesgesundheitsblatt 2019 mitgeteilt wurde, wird empfohlen, bei einer anti-TNF-Therapie, einer anti-IL-17 oder einer anti-IL-23 Therapie die Totimpfstoffgabe in die Mitte der Injektionsintervalle zu legen. Unter Therapie mit Azathioprin erreichte ein Großteil der Geimpften einen protektiven Serumantikörperspiegel gegen Pneumokokken und Tetanus, auch unter Methotrexat-Therapie kommt es in niedriger Dosierung zu keiner Einschränkung des Impfschutzes. Eine Ausnahme könnte eine B-Zell-Depletion mit dem monoklonalen Anti-CD20-Antikörper Rituximab darstellen, der zur Therapie des Pemphigus und weiterer Autoimmunerkrankungen zugelassen ist. Sofern medizinisch machbar, sollte Rituximab pausiert werden und eine Therapieumstellung erwogen werden, um eine verbesserte Impfantwort zu ermöglichen. Unter Rituximab führten Totimpfstoffe gegen Pneumokokken oder Influenza nur zu einer reduzierten Immunantwort.

Die medikamentöse Immunsuppression bei Organtransplantierten scheint die Bildung von Antikörpern nach Impfung gegen SARS-CoV-2 zu hemmen, während eine immunsuppressive oder immunmodulierende Therapie bei chronisch entzündlichen Erkrankungen die Impfwirkung nicht zu beeinflussen scheint.

Zusammenfassend wird daher auch bei Immunsupprimierten oder Patienten unter immunmodulierender Therapie eine Impfung gegen SARS-CoV-2 klar empfohlen. Vor der Impfung muss individuell entschieden werden, ob überhaupt und ggf. wie die laufende immunsuppressive Therapie angepasst werden kann, um den besten Impferfolg zu gewährleisten.

Quellen:
Boyarsky BJ, Werbel WA et al.: Immunogenicity of a Single Dose of SARS-CoV-2 Messenger RNA_Upda Vaccine in Solid Organ Transplant Recipients. JAMA 2021, epub ahead
Crnkic Kapetanovic M, Saxne T et al.: Rituximab and abatacept but not tocilizumab impair antibody response to pneumococcal conjugate vaccine in patients with rheumatoid arthritis. Arthritis Res Ther 2013, 15:R171
Geisen UM, Berner DK et al.: Immunogenicity and safety of anti-SARS-CoV-2 mRNA vaccines in patients with chronic inflammatory conditions and immunosuppressive therapy in a monocentric cohort. Ann Rheum Dis, 2021, epub ahead
Oren S, Mandelboim M  et al.: Vaccination against influenza in patients with rheumatoid arthritis: the effect of rituximab on the humoral response. Ann Rheum Dis 2008, 67:937-41
Wagner N, Assmus F et al.: Impfen bei Immundefizienz. Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. Bundesgesundheitsblatt 2019, 62:494–515
Epidemiologisches Bulletin, 5/21. Robert-Koch-Institut, 04. Februar 2021. 

Hinweise zu Aktualisierungen finden sich auf der Webseite des Robert Koch-Instituts

Stand: 12.05.2021
 

"Zur Impfung gehen - bitte jetzt!"
DGfI-Stellungnahme zur Impfung gegen SARS-CoV-2

Alle zugelassenen Impfstoffe sind sicher und schützen effektiv vor einer schweren COVID-19-Erkrankung. Um die wichtigen Impfziele möglichst schnell zu erreichen, und angesichts der steigenden Frequenz der mutierten SARS-CoV-2 Varianten ist dringend zu raten, alle verfügbaren Impftermine wahrzunehmen, unabhängig vom vorgesehenen Impfstoff!

Stand: 01.03.2021
Stellungnahme als PDF

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat am 8. Februar 2021 eine neue „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2“ erlassen. Grundsätzlich bleibt es in der Aktualisierung der Corona-Impfverordnung bei der bisherigen Eingruppierung in die jeweiligen Prioritäten. Einige Krankheitsbilder wurden allerdings höher priorisiert als noch im Dezember 2020. Neu ist jetzt die Möglichkeit, Einzelfallentscheidungen zu treffen und damit Personen eine frühere Impfung durch ein „ärztliches Zeugnis“, das von dazu berechtigten Stellen ausgestellt wird, zu ermöglichen. Es werden weiterhin diejenigen Personen vorrangig gegen SARS-CoV-2 geimpft, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverlauf nach einer COVID-19-Infektion vorhanden ist. Unter § 2 werden „Schutzimpfungen mit höchster Priorität“ (Gruppe 1) und damit „Anspruchsberechtigte“ aufgelistet, wie beispielsweise Menschen über 80 Jahre, Bewohnerinnen und Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen und die sie Pflegenden, sowie Ärtzinnen/Ärzte und Pflegende in medizinischen Einrichtungen, deren Patienten ebenfalls ein sehr hohes Risiko für schwere Erkrankung tragen (Onkologie oder Transplantationsmedizin). 

Es gibt in der neuen Verordnung einige Änderungen, wer vorrangig geimpft werden soll. In die Gruppen 2 (§ 3 Schutzimpfungen mit hoher Priorität) und 3 (§ 4 Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität) wurden weitere Krankheitsbilder* aufgenommen, beziehungsweise die bereits vorhandenen differenziert, wie beispielsweise Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen der behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die von Gruppe 3 in Gruppe 2 höher gestuft wurden. Dazu gehören auch zahlreiche dermatologische Patienten.

Neu ist ein Spielraum für Einzelfallentscheidungen für Personen mit Erkrankungen, die nicht in der Impfverordnung explizit aufgeführt werden, aber dennoch ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer COVID-Infektion haben: § 3 Schutzimpfungen mit hoher Priorität, wird unter j): „Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht“. Für diese Einzelfallentscheidung braucht es ein ärztliches Attest. Dazu sollen die Bundesländer und ihre obersten Landesgesundheitsbehörden entsprechende Stellen/Einrichtungen schaffen, die dann berechtigt sind, solche ärztliche Zeugnisse für eine frühere Impfung auszustellen.
Zu den Personen mit hoher Priorität gehören auch „Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere Ärztinnen/Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem unmittelbarem Patientenkontakt“; dies kann auch Dermatologen betreffen. 

Nach wie vor beherrschen die Parameter „Impfstoffverfügbarkeit“ und „Schutz der vulnerabelsten Gruppen“ die aktuelle Situation. Wenngleich eine Höhergruppierung für Ärztinnen und Ärzte wünschenswert gewesen wäre, erscheint eine weitere Forcierung nach Einschätzung der Task Force aktuell nicht zielführend. 


* In Gruppe 2 höher priorisiert als zuvor sind nun auch Patientinnen und Patienten mit:
•    chronischen neurologischen und schweren psychiatrischen Erkrankungen
•    malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen
•    COPD oder Mukoviszidose
•    schwerem Diabetes mellitus (mit einem Langzeitblutzuckerwert ≥ 7,5%)
•    chronischer Lebererkrankung
•    chronischer Nierenerkrankung
•    ausgeprägter Adipositas mit einem BMI >40
•    chronisch entzündlicher Darmerkrankung

Impfverordnung von 8.2.2021 

 

Stand: 23.02.2021

Medienberichte der letzten Wochen zum Thema allergische Reaktionen kurz nach der Impfung mit mRNA-COVID-19-Impfstoffen haben auch in Deutschland viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und teilweise Missverständnisse provoziert. Viele Patientinnen und Patienten sind verunsichert. Eine Gruppe von medizinischen Organisationen unter Federführung der DGAKI hat daher zusammen mit uns, verschiedenen weiteren Organisationen und auch der Patientenvertretung, dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB), ein Informationsblatt zum Thema „Allergie und COVID-19-Impfung“ erstellt. 

Für Menschen mit Erkrankungen aus dem allergisch/atopischen Formenkreis oder mit Kontaktallergien gibt es keine Hinweise für ein allgemein erhöhtes Risiko im Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung. Zu diesen Krankheiten gehören:
Atopisches Ekzem (Neurodermitis), Urtikaria (Nesselsucht)/Angioödeme, Rhinokonjunktivitis allergica (Heuschnupfen), Asthma bronchiale, Nasenpolypen, Nahrungsmittelallergie, Insektengiftallergie, Schmerzmittelunverträglichkeit, Antibiotikaallergie, Kontaktallergie (z.B. Nickel-, Duftstoff- oder Konservierungsmittelallergie).

Wie im Flyer ausgeführt, geht es nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse um ganz spezifische Reaktionen. Nicht geimpft werden dürfen Patienten mit einer bekannten früheren schweren allergischen Reaktion auf Inhaltsstoffe des Impfstoffsoder auf die erste COVID-19-Impfung. Unter anderem können folgende Inhaltssto¬ffe eine Rolle spielen: Polyethylenglykol (=Macrogol) und Tromethamin/Trometamol.
Im Faltblatt werden zudem wichtige Informationen zum Thema „COVID-19-Impfung und Begleittherapien“ zusammengefasst.

Faltblatt: „Allergie und COVID-19-Impfung“

Weitere Informationen:
Die interdisziplinäre Leitliniengruppe „Management der Anaphylaxie“ hat Empfehlungen für eine Risikoeinschätzung zur COVID-19 Impfung für Allergiepatienten erstellt. Diese findet sich unter MMW - Fortschritte der Medizin, Ausgabe 1/2021.