Gonorrhoe -Tripper
Syphilis -Lues
AIDS

Gonorrhoe -Tripper -
Die Gonorrhoe ist eine sexuell übertragbare Krankheit. Sie befällt die Schleimhaut des Urogenitaltraktes und kann sich auf die Prostata, die Nebenhoden, den Gebärmutterhals, die Gebärmutter, den Eileiter, das Bauchfell und die Augenbindehaut ausdehnen.
Die Gonorrhoe wird insbesondere beim Geschlechtsverkehr übertragen und wird durch Bakterien ausgelöst. Es handelt sich bei diesen Bakterien um Gonokokken. Das Bakterium wird bei allen Arten des Geschlechtsverkehrs übertragen, d. h. sowohl vaginaler als auch oraler oder rektaler/analer Sex können die Erkrankung übertragen. Es ist sogar möglich, dass die Mutter die Erkrankung auf das Kind überträgt. Neben der Bezeichnung Gonorrhoe, die aus dem Griechischen stammt und "Samenfluss" bedeutet, ist die Bezeichnung Tripper gebräuchlich, die von dem niederdeutschen drippen = tropfen abgeleitet ist. Die Erkrankung kommt weltweit vor. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts dürfte die Inzidenz der Gonorrhoe-Fälle in Deutschland jenseits der gemeldeten Inzidenzen, einen Wert von 25 – 40 pro 100.000 Einwohner haben.
Wie sieht eine Gonorrhoe aus ?
Die Inkubationszeit beträgt zwischen 2 und 10 Tagen. Eine Gonorrhoe äußert sich durch die folgenden Symptome:  | Nässen oder Eiter am Penis bzw. aus der Harnröhre, der Vagina oder dem Rektum; eine Kruste oder eine Schwellung in den genannten Bereichen; Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen; Schmerzen in den Hoden beim Mann; Krämpfe oder Schmerzen im Unterbauch. |
Bei Frauen können die Beschwerden in der Frühphase sehr mild sein, da sie Ausfluss und leichtes Brennen beim Wasserlassen häufig nicht als etwas Ungewöhnliches ansehen. Möglicherweise kommt es zu übelriechendem Ausfluss aus der Scheide.
Man geht davon aus, dass die Symptome 2-3 Tage nach dem Kontakt mit einer infizierten Person auftreten. Bitte beachten Sie, dass viele Menschen die Gonorrhoe verbreiten, ohne dass sie selber Probleme haben. Ihr Geschlechtspartner muss daher garnicht wissen, dass er unter Gonorrhoe leidet. Die Erkrankung ist wie alle anderen Geschlechtserkrankungen zu vermeiden. Sie sollten jedesmal Kondome benutzen, wenn Sie Sex haben. Sie sollten unbedingt nur Sex mit Menschen haben, die Sie genau kennen, von denen Sie wissen, dass diese auch nur mit Ihnen Sex haben. Wenn bei Ihnen eine Gonorrhoe festgestellt wurde, sollten Sie auf keinen Fall Geschlechtsverkehr mit Ihrem Partner haben, bis die Therapie beendet wurde.
Es können eine Reihe von Komplikationen auftreten, die insbesondere dann vorkommen, wenn die Erkrankung nicht früh genug therapiert wird. Das betrifft z.B. die Sterilität. Es kann aber auch sein, dass die Gonokokken sich über das Blut verteilen und dann das Herz oder auch das Gehirn schädigen. Bei den Neugeborenen, bei denen es über das Genital der Mutter in die Augen gelangen kann, kann es sogar zur Blindheit beim Neugeborenen führen.
Wie wird eine Gonorrhoe behandelt ?
Als Prophylaxe werden Kondome empfohlen. Nach wie vor können die Gonokokken sehr gut mit verschiedenen Antibiotika behandelt werden. Eine frühzeitige Antibiotikabehandlung unterbricht die Infektionskette.
Penicillin war lange Zeit das gebräuchliche Mittel. Wegen der Zunahme von penicillinresistenten Gonokokken werden andere Antibiotikaklassen heute jedoch bevorzugt. Es finden sich jedoch zunehmend z.B. auch gegen Chinolone Resistenzen. Mittel der Wahl sind heute sog. Drittgenerations-Cephalosporine, wie z.B. Ceftriaxone (einmalig 250mg i.m.) oder Cefixime (einmalig 500mg oral) sowie Chinolone wie z.B. Ciprofloxacin (einmalig 500mg oral) oder Ofloxacin (einmalig 400mg), auch - ebenfalls als Einzeldosis -Makrolide wie und Azithromycin 1000 mg (Zithromax®) und Spectinomycin (einmalig 2g i.m.), die bei unkomplizierter Gonorrhoe hervorragend zur Einzeitbehandlung geeignet sind.
Es besteht daher überhaupt kein Grund, dass die Therapie verschleppt wird. Die Therapie ist sehr schnell und kostengünstig durchzuführen. Bei Neugeborenen kann Silbernitrat zur Verhütung einer Bindehautentzündung verwendet werden.
Was ist nach der Behandlung der Gonorrhoe wichtig ?
Wird eine Gonorrhoe rechtzeitig behandelt, müssen Sie keine Spätfolgen befürchten. Eine unbehandelte Infektion kann sich allerdings ausbreiten und bei Frauen sowie Männern zu Entzündungen des Unterleibs führen. Sterilität ist dann eine mögliche Folge. Bei erneutem Auftreten o.g. Symptome sofort - zusammen mit dem Partner / der Partnerin - einen Arzt aufsuchen.
Zur Meldepflicht von Infektionskrankheiten
2001 löste das sog. Infektionsschutzgesetz (www.bmgesundheit.de) das Bundesseuchengesetz und das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ab. Viele bislang meldepflichtige STD-Erreger wie z.B. auch Neisseria gonorrhoeae (daneben Haemophilus ducreyi, Chlamydia trachomatis) sind damit nicht mehr meldepflichtig. Nach § 7 ist lediglich der direkte oder indirekte Nachweis von Treponema pallidum (der Syphilis-Erreger) und HIV nichtnamentlich meldepflichtig. Meldepflichtig sind nach § 8 Leiter von Medizinaluntersuchungsämtern und sonstige private oder öffentliche Untersuchungsstellen einschließlich der Krankenhauslaboratorien. § 10 regelt die nichtnamentliche Meldung oben genannter Erreger sexuell übertragbarer Krankheiten. In § 13 sind so genannte Sentinel-Erhebungen durch das Robert-Koch-Institut [3] gesetzlich geregelt.
ggÓ Dieser Beitrag wurde von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum in Zusammenarbeit mit dem Institut für klinische und experimentelle Dermatologie sowie der Fortbildungsakademie Rhein-Ruhr erstellt. 
Lues- Syphilis
Bei der Syphilis oder Lues handelt es sich um eine schwere bakterielle Erkrankung, hervorgerufen durch Treponema pallidum. Sie wird im Wesentlichen beim Geschlechtsverkehr übertragen. Dies gilt damit sowohl für analen, oralen als auch genitalen Sex. Die Erkrankung wird im Allgemeinen dadurch auffällig, dass im ersten Stadium eine kleine, jedoch meist schmerzlose Ulzeration (=Geschwür) oder Kruste entsteht. Diese entsteht dort, wo das die Krankheit auslösende Bakterium (Spirochäten) die Haut oder Schleimhaut durchdrungen hat. Gleichzeitig schwellen die Lymphknoten in der Region an. Im 2. Stadium kommt es dann zu einem Ausschlag mit roten Flecken, der insbesondere auch Handinnenflächen und Fußsohlen betreffen kann. Die Infektion betrifft den gesamten Körper. Infektiös sind viele Körperflüssigkeiten. Wie bereits gesagt, wird die Erkrankung im Wesentlichen über Sexualkontakte übertragen. Hierbei spielen insbesondere Scheidenflüssigkeit, Samen, Blut oder auch Speichel infizierter Personen eine Rolle. Man kann in aller Regel sagen, dass ein intensiver Kontakt die Infektion auslöst. Nach dem Auftreten der ersten Infektion, die aus einem Ulkus besteht, das einen harten Rand hat (harter Schanker!), können die Symptome innerhalb der ersten 6 Monate ohne jede Folgeerscheinung (Residuen) ausbleiben. Daraus dürfen Sie aber auf keinen Fall schließen, dass Sie gesund sind. In aller Regel verteilen sich die Bakterien nach wie vor im Körper. Wenn die Erkrankung nicht behandelt wird, kann die Syphilis in das 3. Stadium kommen. In diesem Fall können schwere Herzkrankheiten, Gehirnschäden oder sogar der Tod eintreten. Es ist wichtig, dass frühzeitig therapiert wird.
Wie wird eine Syphilis diagnostiziert?
Wir haben heute verschiedene Möglichkeiten, die Krankheit zu diagnostizieren. Zum einen kann man einen Abstrich von der Ulzeration machen und den Erreger im Mikroskop (Dunkelfeld) nachweisen, sofern die Erkrankung erst seit kurzem besteht. Es gibt darüber hinaus aber verschiedene Bluttests (sog. TPHA, VDRL), die die Krankheit ebenfalls mit hoher Sensitivität nachweisen können. Die Erkrankung hinterlässt in der Regel eine lebenslange „Blutnarbe“, was bedeutet, dass – meist – eindeutig zwischen akuter Infektion und geheilter Erkrankung unterschieden werden kann. Bei Verdacht auf Neurolues, d.h. Befall des zentralen Nervensystems (ZNS), sucht man in der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) nach den Erregern oder nach Antikörpern.
Wie wird eine Syphilis behandelt?
Im Gegensatz zu vielen anderen Infektionskrankheiten können wir die Syphilis mit Antibiotika nach wie vor gut behandeln. Insbesondere Penicillin ist bei der Syphilis hochwirksam. Die Therapiedauer ist davon abhängig, wie lange die Krankheit schon bestanden hat, bevor sie behandelt werden konnte. Bei frischer Infektion kann es ausreichen, ein- oder zweimal ein langwirkendes Penicillin zu spritzen. Eine insgesamt sichere Methode, die Erreger zu bekämpfen, liegt in der zweiwöchigen Behandlung mit ebenfalls einmal täglichen intramuskulären Penicillinapplikationen. Die Spätsyphilis muss mindestens drei Wochen lang behandelt werden. Oft kommt es bei dieser Behandlung zu grippeähnlichen Symptomen (Herxheimer-Reaktion) als Nebenwirkung.
Die Behandlung der Lues ist v.a. mit Penicillin leicht und effektiv möglich. Verschiedene alternative Therapieoptionen, z.B. bei Unverträglichkeit der Substanz, sind möglich. Einen Überblick gibt die folgende Tabelle:
Primär-/Sekundärstadium:
Empfohlene Behandlung:
Clemizolpenicillin G1 Mio IU i.m. für 14 Tage
Alternative Behandlung:
Benzathinpenicillin G 1x 2,4 Mio IU i.m. einmalig oder
Doxycyclin 2 x 100 mg p.o. für 14 Tage oder
Erythromycin 4x 500mg für 14 Tage
Spätsyphilis:
Empfohlene Behandlung:
Clemizolpenicillin G1 Mio IU i.m. für 21Tage
Alternative Behandlung:
Benzathinpenicillin G2,4 Mio IU i.m. am Tag 1, 8, 15.oder
Doxycyclin 2 x 200 mg p.o. für 21 Tage oder
Erythromycin 4x 500 mg p.o. für 28 Tage
Neurosyphilis:
Empfohlene Behandlung:
Penicillin G – Infusionen 6x5 Mio IU i.v. für 14-21Tage
Behandlung einer konnatalen Syphilis:
Empfohlene Behandlung:
Penicillin G
2x50.000 IU/kg i.v. Lebenstag 1-7
3x50.000 IU/kg i.v. Lebenstag 8-10
Es besteht also keinerlei Grund, die Erkrankung zu verschleppen. Wichtig ist, dass die Diagnose frühzeitig gestellt wird. Sollte ein Verdacht bestehen, so muss dies unbedingt von einem Facharzt (Dermatologe oder Urologe) abgeklärt werden.
Sie sollten auf keinen Fall Geschlechtsverkehr haben, solange bei Ihnen der Verdacht der Erkrankung besteht.
Was ist nach der Behandlung wichtig ?
Wichtig ist es, eine erneute Infektion zu verhindern. Die Benutzung von Kondomen stellt in diesem Rahmen einen wirksamen Infektionsschutz, auch vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, dar. Die wichtigsten Akutmaßnahmen zur Unterbrechung der Infektionskette sind darüber hinaus das Feststellen und Auffinden der Kontaktpersonen des Patienten sowie deren konsequente Therapie.
Zur Meldepflicht von Infektionskrankheiten
2001 löste das sog. Infektionsschutzgesetz (www.bmgesundheit.de) das Bundesseuchengesetz und das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ab. Viele bislang meldepflichtige STD-Erreger wie z.B. Neisseria gonorrhoeae, Haemophilus ducreyi und Chlamydia trachomatis sind damit nicht mehr meldepflichtig. Nach § 7 ist lediglich der direkte oder indirekte Nachweis von Treponema pallidum, d.h. des Syphilis-Erregers, und HIV nichtnamentlich meldepflichtig. Meldepflichtig sind nach § 8 Leiter von Medizinaluntersuchungsämtern und sonstige private oder öffentliche Untersuchungsstellen einschließlich der Krankenhauslaboratorien. § 10 regelt die nichtnamentliche Meldung oben genannter Erreger sexuell übertragbarer Krankheiten. In § 13 sind so genannte Sentinel-Erhebungen durch das Robert-Koch-Institut [3] gesetzlich geregelt. 
HIV- AIDS
Was ist HIV?
HIV (human immunodeficiency virus) ist ein RNA-Virus, das über sexuelle Kontakte (genital, anal, oral) mit einer infizierten Person, über Blut, Blutprodukte sowie von der infizierten Mutter auf das Kind übertragen werden kann. Die HIV-Infektion ist eine Multi-System-Erkrankung.
Weitere Informationen auch unter
http://www.derma.de/bochum/Klinikschwerpunkte/HIV_AIDS/Immuno.htm
Wie ist der Infektionsweg?
Durch direkten Kontakt. In den meisten Fällen durch sexuelle Kontakte und über Körperflüssigkeiten infizierter Personen wie Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit und Muttermilch.
Wie sieht eine HIV-Infektion aus / wie wird die Diagnose gestellt ?
Die ersten Symptome:
Das erste Zeichen einer Infektion ist in 20-30 % der Fälle ein uncharakteristischer Hautausschlag (Exanthem) wie z.B. bei einer Maserninfektion. Das HIV-Exanthem wird nach rund 4-8 Wochen sichtbar. Lymphknotenschwellungen am Hals, Achseln und Leisten können nach rund 6 Monaten nachweisbar sein. In den folgenden Monaten und Jahren kommt es zu weiteren Erkrankungen, die dann daraufhin deuten, dass das Immunsystem durch das HI-Virus geschädigt wurde.
Der Nachweis:
Das Virus kann aus dem Blut infizierter Personen angezüchtet werden. Der einfachste und routinemäßig zum Ausschluss einer HIV-Infektion gegangene Weg beinhaltet den Nachweis von Antikörpern, die gegen das HI-Virus gerichtet sind. Bei positivem Testergebniss muss dieses durch einen zweiten Test auf Grundlage einer anderen Methode bestätigt werden. Erst dann gilt eine Diagnose als gesichert. Darüber hinaus ist es möglich, das Virus selbst durch eine sogenannte Polymerase Chain Reaction (PCR) nachzuweisen.
Wie kann man sich vor der Ansteckung von HIV über Geschlechtsverkehr schützen ?
Den wichtigsten Schutz bietet das Kondom (Präservativ), wobei zu bedenken ist, dass in 2 von 100 Fällen ein Kondom abrutscht oder reißt. Es bietet eine hochwirksame mechanische Barriere. Durch den zusätzlichen Gebrauch von spermiziden Gleitcremes kann der Schutz verstärkt werden. Gleitcremes auf Paraffinbasis können Kondome porös machen und sind daher zu meiden. Es wird angenommen, dass das Vaginalkondom einen dem konventionellen Kondom vergleichbaren Schutz bietet. Spermizide Vaginalzäpfchen, Vaginalcremes und Diaphragmen bieten keinen Schutz vor HIV.
Sofern das Kondom beim Geschlechtsakt reißt oder sonst auf irgendeine Art beschädigt wird, sollte – v.a. nach Kontakt mit einer Risikoperson – im Idealfall innerhalb von 1-2 Stunden, möglichst innerhalb von 24 Stunden, der Arzt aufgesucht werden, um über den Einsatz einer sog. „postexpositionellen Prophylaxe“, sog. PEP, zu sprechen. Nach mehr als 72 Stunden ist der Erfolg einer PEP sehr fraglich.
HIV/AIDS
Bei der HIV-Infektion handelt es sich um das Vorliegen des HI-Virus im Körper eines Menschen. Eine Person, die HIV infiziert ist, ist dann im Stadium AIDS der Erkrankung, wenn ganz spezifische "opportunistische Erreger" Infektionen oder Tumoren bei dieser Person auftreten.
HIV infiziert und zerstört unterschiedliche Typen von weißen Blutkörperchen, z.B. T4-Helferzellen, die in der Lage sind, den Körper vor Infektionen zu schützen, so dass Personen, die HIV-infiziert sind, empfindlicher auf unterschiedliche Krankheitserreger, z.B. Bakterien, Pilze, Viren und andere Erreger reagieren und auch häufiger Krebs, z.B. Kaposi-Sarkome oder Non-Hodgkin-Lymphome bekommen. Diese Erkrankungen, die normalerweise nicht bei Personen mit normal funktionierendem Immunsystem auftreten, nennt man opportunistische Infektionen, weil sie ein gestörtes Immunsystem benötigen, um Erkrankungen hervorzurufen. Es waren diese, damals unerklärlichen opportunistischen Infektionen in einer Gruppe von jungen homosexuellen Männern, die 1981 zu dem Begriff AIDS führten. HIV ist ein empfindliches Virus, das außerhalb des Körpers nicht in der Lage ist, sich weiter zu vermehren und das nicht über die Luft oder durch Insektenstiche übertragen werden kann. Dieser Kontakt ist durch sexuellen Verkehr mit einer infizierten Person gegeben oder bei Drogen gebrauchenden durch das gemeinsame Benutzen von Injektionsnadeln mit einer infizierten Person. Eine infizierte Mutter kann HIV entweder während der Schwangerschaft, der Geburt oder durch das Stillen des Kindes übertragen.
HIV-Infektionszyklus
HIV-infizierte menschliche Zellen tragen an ihrer Oberfläche bestimmte Rezeptoren, die CD4 genannt werden. HIV trägt seinerseits an seiner Hülle Rezeptoren, die auf dieses CD4 Molekül passen, so dass eine Verbindung zwischen Virus und Zelle hergestellt werden kann. Die CD4-Moleküle sind für HIV die wichtigsten Verbindungsstellen. Bei der Infektion einer Zelle spielen jedoch weitere Rezeptoren auf der Zelloberfläche eine wichtige Rolle, diese werden als Korezeptoren oder Hilfsschlösser bezeichnet. Erst dieser intensive Kontakt zwischen Virus und Zelle führt dazu, dass die virale Erbinformation, die HIV-RNA (und drei virale Enzym- Steuerprogramme) in die Zelle eingeschleust werden. Diese eingeschleuste RNA-Erbinformation muss zunächst in DNA umgeschrieben werden. Dies geschieht mit Hilfe eines Enzyms, das als reverse Transkriptase bezeichnet wird. Die viralen Erbinformationen liegen daraufhin als einsträngige HIV-DNA vor. Diese wird verdoppelt und mit Hilfe eines weiteren Enzyms, der Integrase – als sogenanntes Provirus – ins Erbgut der Zelle eingeschleust. Diese, im zellulären Erbgut integrierte virale Erbinformation steuert die zellulären Mechanismen zur eigenen Vermehrung. Die Zelle produziert HIV-RNA, virale Enzyme und andere Bestandteile, die an der Oberfläche der Zelle zu neuen Viren zusammengesetzt werden. Damit infektiöse Viren entstehen können, müssen sie von einem weiteren viralen Enzym, der HIV-Protease, in funktionierende Eiweißstücke zerlegt werden. Man schätzt, dass eine infizierte Zelle etwa 200 Viren produziert und täglich etwa 10-100 Milliarden neue Viren entstehen.
Wie wird eine HIV-Infektion behandelt?
HIV-Medikamente, Medikamentenklassen
Medikamente gegen HIV hemmen die Entwicklung des Virus in verschiedenen Phasen des Infektionszyklus. Aufgrund der Phase, in der sie den Infektionszyklus unterbrechen, werden sie in verschiedene Klassen eingeteilt. Zur Behandlung zugelassen sind Medikamente der Klassen der Reversen Transkriptase Inhibitoren und der Proteaseinhibitoren. Bei den reverse Transkriptase Inhibitoren lassen sich Nukleosid-Analoga, Nukleotid-Analoga und nicht Nukleosid-Analoga unterscheiden. In der Erpobung befinden sich Medikamente, die die Fusion des HI-Virus mit der Empfängerzelle verhindern, die sog. Fusionsinhibitoren. Eine weitere neue Substanzengruppe stellen die sog. Integrase-Inhibitoren dar, die die Vermehrung von HIV durch Hemmung eben dieses Enzyms innerhalb der Zelle verhindern.
Wann sollte therapiert werden und welche Marker sind für eine Therapie wichtig?
Ob eine solche Therapie durchgeführt wird, hängt vom Ausmaß des Immundefektes des Patienten ab. Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG; Präsident Prof. Dr. N.H. Brockmeyer) hat im Juli 2002 in Zusammenarbeit mit allen beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften Richtlinien erarbeitet, die ständig überarbeitet werden und in denen festgelegt wird, wann mit einer Therapie begonnen werden sollte. Diese Richtlinien wurden im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht und können bei dem Präsidenten der DAIG angefordert werden. Das Wichtigste in Kürze:
1.Symptomatische Patienten, d.h. Patienten mit einer opportunistischen Infektion mit HIV-assoziierten Symptomen, wird eine Therapie dringend angeraten. Diese Empfehlung erfolgt unabhängig von den gemessenen immunologischen Laborparametern.
2.Bei asymptomatischen Patienten, d.h. klinisch gesunden Patienten, wird die Empfehlung anhand der immunologischen Laborparameter (T-Helferzellen (CD4+-Lymphozyten im Blut) und Viruslast (HIV-RNA-Kopien pro ml Blut)) ausgesprochen. Aufgrund fehlender Studien können diese Empfehlungen nur unscharf formuliert werden: Liegen die T-Helferzellen niedriger als 350 – 500/mm3 und/oder die Viruslast höher als 50.000 – 100.000 HIV-RNA-Kopien/ml sollte eine Therapie eingeleitet werden.
3.Bei asymptomatischen Patienten, die mehr als 500 T-Helferzellen pro mm3 Blut und weniger als 50 000 HIV-RNA-Kopien/ml haben, variieren die Expertenmeinungen bezüglich einer Therapieindikation. Tendenziell wird man hier eher eine abwartende Haltung einnehmen.
Was ist nach Beginn der Behandlung entscheidend ?
Die wichtigsten Laborparameter für die Verlaufsbeurteilung einer HIV-Infektion sind die quantitative Bestimmung der CD4+-Lymphozyten und der HIV-RNA. Sie sollten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung und anschließend in ca. 2-3-monatigen Abständen bestimmt werden, und zwar mit dem jeweils sensitivsten erhältlichen Test. Einleitung und Umstellungen einer Therapie sind Indikationen für kurzfristigere Kontrollen.
Bei Patienten unter Therapie, deren HIV-RNA unterhalb der Nachweisgrenze (z. Zt. 20-50 Genomkopien/ml) liegt, sollte die Viruslast ca. alle 2-3 Monate kontrolliert werden.
Insbesondere Messungen, die Anlass zu einer Neubewertung der Therapie geben, sollten durch eine kurzfristig abgenommene weitere Blutentnahme kontrolliert werden. In der Regel sind jedoch Messungen im Abstand von weniger als 4 Wochen nicht notwendig.
Ein Therapieerfolg kann frühestens nach 4 Wochen, oft erst nach drei Monaten und in Einzelfällen erst nach 6 Monaten beurteilt werden. Das Absinken der HI-Viruslast im Blut unter die Nachweisgrenze ist als Therapieerfolg zu werten.

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